Ludwig Thoma

Als ich gestern lag in meinem Bette,
Klopfte es so gegen Mitternacht.
Meine Meinung war, es sei Jeanette,
Und natürlich habe ich aufgemacht.
Leise kam es jetzt hereingeschlichen,
Setzte sich an meines Bettes Rand.
Hat mir über meinen Kopf gestrichen
Mit der ziemlich dicken Hand
Und ich merkte bald an ihren Formen:
Dieses Weib ist ja Jeanette nicht,
Deren Hüften nicht von so enormen
Umfang sind und solchem Schwergewicht.
Trotzdem schwieg ich. Denn ich überlegte:
Nicht das Wer, das Wie kommt in Betracht,
Außerdem, die Absicht, die sie hegte,
War entscheidend löblich ausgedacht.
Was bedeutet dieserhalb ein Name?
In der Liebe ist das einerlei.
Man verlangt nur, daß es eine Dame
Und von angenehmen Fleische sei.

Ludwig Thoma (1867-1921), studierter Jurist und Schriftsteller der durch seine satirischen Alltagschilderung bekannt wurde. Seine schriftstellerische Laufbahn begann er bei der Zeitschrift Simplicissimus, deren Chefredakteuer er später wurde. Theaterstücke folgten und 1906 war Thoma zusammen mit Hermann Hesse herausgeber der Zeitschrift März. Wie es sich für einen ordentlichen Satiriker gehört, wurde Thoma wegen Beleidigung von Mitglieder eines Sittlichkeitsvereins zu sechs Wochen Haft verurteilt. In jungen Jahren galt Thoma als linksliberal, nach dem ersten Weltkrieg an dem Thoma als Freiwilliger teilnahm, wurden seine Ansichten nationalkonservativ und zunehmend antisemitisch. Er verstarb 1921.

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