Träumen Hunde, Katzen, Vögel?

© Anna Reinhardt

Fritz, unser Redaktionshund liegt an seinem Platz, strampelt wild und gluckst, das entfernt an Bellen erinnert. Der Hund träumt und das ist eine schöne Gelegenheit sich mit dem Schlaf der Tiere zu beschäftigen.

Träumen Hunde, Katzen, Vögel? Da man Tiere nicht zu ihrem Schlafverhalten befragen kann, sind Schlafforscher auf Messungen und Beobachtungen angewiesen. Fest steht, dass die meisten Säugetiere und viele Vogelarten, einen Teil ihres Schlafs in der REM Phase verbringen. Die REM Phase ist bei uns Menschen die Phase, in der wir am stärksten träumen. Jungtiere besitzten (wi Kleinkinder) einen höheren Anteil REM Schlaf als Erwachsene. Die Frage ob diese Gehirnaktivitäten bedeuten, dass die Tiere ihren Traum auch wirklich erleben, können Schlafforschernicht  beantworten.

Eine Besonderheit in der Tierwelt ist der Halbhirnschlaf. Dabei schläft immer nur eine Hirnhälfte und es ist auch nur ein Auge geöffnet. Einige Vogelarten, Delfine, Seelöwen und Seebären praktizieren diese Art der Erholung. Der russische Zoologe Lev Mukametow¹ hat in seinem Moskauer Schlaflabor über Jahre die Schlafgewohnheiten der frei im Becken schwimmenden Delfine aufgezeichnet. Der Grund für den Halbhirnschlaf der Delfine liegt in der Atmung der Tiere. Menschen atmen sowohl willkürlich wie unwillkürlich. Da Delfine nur willkürlich atmen, muß das Atemzentrum im Gehirn ein Mindestmaß an Nervenaktivitäten aufweisen. Interessant ist, das z.B. Seelöwen im Wasser den Halbhirnschlaf praktizieren, während sie an Land mit beiden Hirnhälften schlafen.

Die meisten Säugetiere zeigen ähnliche Schlafmuster, aber die die Schlafgewohnheiten sind doch sehr unterschiedlich. Folgende Tabelle (aus Wikipedia.de) zeigt die Schlafdauer und den Anteil des Traumschlafs:

Tierart Schlaf
in Stunden
pro Tag
Anteil der
REM-Phase
am Schlaf
Augenposition
während
des Schlafes
Kleine Taschenmaus 20,1 16% beide geschlossen
Braune Fledermaus 19,9 10% beide geschlossen
Südliches Opossum 19,4 10% beide geschlossen
Nachtaffe 17,0 11% beide geschlossen
Katze 13,2 26% beide geschlossen
Taube 11,9 8% ein Auge manchmal offen
Haushuhn 11,8 10% ein Auge manchmal offen
Schimpanse 10,8 15% beide geschlossen
Hund 10,7 29% beide geschlossen
Kaiserpinguin 10,5 13% ein Auge manchmal offen
Fruchtfliegen 10,0 0% keine Augenlider
Ente 9,1 16% ein Auge manchmal offen
Kaninchen 8,7 14% beide geschlossen
Schwein 8,4 26% beide geschlossen
Asiatischer Elefant 5,3 34% beide geschlossen
Kuh 4,0 19% beide geschlossen
Pferd 2,9 27% beide geschlossen
Giraffe 1,9 21% beide geschlosse

Kuh und Reh schlafen z.B. im Stehen und können dabei wiederkäuen. Allerdings gleicht diese Schlafphase eher dem Dösen. In seinem Buch Das Geheimnis des Schlafs berichtet Alexander Borbely von Untersuchungen zum Verhältnis Stoffwechsel und Schlaf. „Kleine Tiere, die im allgemeinen einen intensiven Stoffwechsel haben und die gewöhnlich auch nicht lange leben (so hat zum Beispiel der Igel eine Lebensdauer von nur etwa 6 Jahren), schlafen länger als die großen Tiere mit niedrigem Stoffwechsel und langer Lebensdauer (das Pferd hat eine Lebensdauer von etwa 46 Jahren).“ Je weiter unten eine Tierart jedoch auf der Leiter der Hirnentwicklung steht, desto weniger wahrscheinlich dürften Schlaf und Traum sein.

Die Wissenschaftlerin Irene Tobler-Borbely beschäftigt sich mit dem Schlaf der Tiere. Sie hat festgestellt, das die meisten Tiere polyphasische Schläfer sind, also mehrere kurze Schlafphasen über 24 Stunden verteilt einlegen. Tobler-Borbely hat Zirkuselefanten beobachtet: sie geistern nachts herum, fressen, trinken und legen ihren Rüssel auf andere Elefanten. Die Jungtiere scheinen es überhaupt nicht zu mögen, wenn ihre Mutter schläft. Sie wird bedrängt und getrietzt bis sie aufwacht.²

Im Tierreich kommen alle denkbaren Schlafpositionen vor. Stehend, sitzend, liegend, ausgestreckt, zusammengerollt, in Seitenlagen, kopfüber hängend, auf einem Bein oder wie viele Vögel in der „Zudeckhaltung“: hockend auf Bauch und Hinterbeinen, den Kopf unter einem Flügel verborgen. In China fand man einen versteinerten schlafenden Dinosaurier in dieser Hatung. Haben Sie sich schon einmal gefragt warum Vögel im Schlaf nicht vom Ast fallen? Wir Menschen müsen Muskeln aktivieren um etwas greifen zu können, Vögel hingegen müssen ihre Muskeln aktivieren um ihren Griff zu lösen. Unser Redaktionshund Fritz dreht sich zum Einschlafen trampelnd im Kreis, um sich ein bequemes Nest zu bereiten, Elefanten suchen wie oben beschrieben den Körperkontakt zu Artgenossen und der Putzerfisch umgibt sich während des Schlafs mit einer schützenden Schleimschicht. Fregattvögel und Mauersegler können sogar während des Flugs schlafen.

Mit fragwürdigen Tests hat Prof. Allan Rechtschaffen nachgewiesen, das Schlafentzug oder Schlafunterbrechungen tödlich seien können. Er hinderte Ratten an ihrem Schlaf. Das Fell der Tiere wurde stumpfer und dünner, die Haut war mit fortschreitendem Experiment mit Wunden übersät die nicht verheilten, die Ausschüttung von Stresshormonen stieg an, trotz erhöhter Nahrungsaufnahme magerten die Tiere ab und der Tod trat nach zwei bis drei Wochen ein. Das entspricht dem Zeitrau, den Ratten ohne Nahrung überleben können. Wieviele Tiere dafür sterben mussten ist nicht überliefert.

Mit dieser traurigen Episode möchten wir Sie allerdings nicht verabschieden. Seit 2009 haben annähernd 25 Mio. Menschen bei youtube „Bizkit, der schlafenden Hund“ gesehen. Falls Sie nicht dazu gehören, hier ist der Film:

¹Lev Mukametov hat in der UdSSR Delfine für die Marine ausgebildet. Was aus diesen Tieren geworden ist finden Sie in einem Beitrag von Spiegel online aus dem Jahr 1998.

² Den Beitrag von Alice Werner über Frau Tobler-Borbelys Arbeit finden Sie hier.

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3 Gedanken zu “Träumen Hunde, Katzen, Vögel?

  1. Feiner Artikel! Wir finden es immer wieder schön zu beobachten, wie unser Hund in der REM-Phase mit den Augen rollt und seine Pfoten bewegt. Für uns Menschen scheint das dann der Beweis zu sein, dass der letzte Waldspaziergang noch einmal schön erlebt wird, und der Mensch ist dann ganz zufrieden 😉
    Das Schlafverhalten der kleinen Taschenmaus ist allerdings auch hochinteressant. Aber wenn ich mich in einer Tasche einkuscheln könnte … dann würde ich wohl auch …. stundenlang

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