Karl Kraus – So spät ist es

Vor dem Schlaf
So spät ist es, so späte,
was werden wird, ich weiß es nicht.
Es dauert nicht mehr lange,
mit wird so bange,
und seh’ in der Tapete
ein klagendes Gesicht.

Allein bin ich, alleine,
was außerhalb, ich weiß es nicht.
Ach, daß mir’s noch gelänge,
mir wird so enge,
und seh’ in jedem Scheine
ein fragendes Gesicht.

Nun bin ich schon entrissen,
was da und dann, ich weiß es nicht,
ich kann sie nicht behalten
die Wahngestalten
und fühl’ in Finsternissen
das sagende Gesicht.

Karl Kraus: (1874-1936)  war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker, Herausgeber der Fackel sowie vor allem ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.

Elias Canetti wurde in seiner Wiener Zeit stark von Karl Kraus beeinflußt. Er besuchte seine Wiener Vorlesungen. Er überwarf 1934 mit Kraus, als dieser den faschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß unterstütze.

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