„Die Uhrenumstellung macht … dümmer, dicker, kränker und unfreundlicher.“¹

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Am 25. März 2012 ist es wieder soweit: die Uhren werden auf die Sommerzeit vorgestellt. Ein Vorgang der Mensch und Tier belastet und weder biologisch noch umweltbedingt notwendig ist .   Woher kommt eigentlich dieser Brauch und welches sind die Beweggründe?

Bis weit ins 19. Jahrhundert gab es in Deutschland keine einheitliche Zeit. Eine nationale Uhrzeit wurde erst mit dem Aufkommen des Eisenbahnverkehrs 1893 eingeführt. Der Engländer William Willett verfasste 1907 eine Schrift mit dem Titel „The Waste of Daylight“. Er schlug vor die Uhren, in den Sommermonaten um 80 Minuten vorzustellen, um so £ 2,5 Mio. an Beleuchtungskosten zu sparen.

Im 20. Jahrhundert wurde immer wieder an der Uhr gedreht. 1916  begann Deutschland  mit der Zeitumstellung in den Sommermonaten. Hintergrund war die Idee, die Stundenzahl mit nutzbarem Tageslicht zu erhöhen. Von 1919-1339 durften die Menschen in ihren normalen Rhythmen leben, bevor im Kriegsjahr 1940 wieder eine Sommerzeit eingeführt wurde. 1945 wurde die Uhrzeitenregelung von den Besatzungsmächten bestimmt. In Ostberlin und der sowjetischen Besatzungszone dauert die Sommerzeit 2 Monate länger als in den übrigen Besatzungszonen.1950-74 war wieder eine Phase ohne Zeitverschiebungen. Die Europäische Gemeinschaft führte die Sommerzeit in ihren Mitgliedstaaten ab 1974 ein. Hintergrund war die sogenannte „Ölkrise“ von 1973 und der Vorstellung, mit der längeren Ausbeute des Tageslichts Energie zu sparen.

Die Beweggründe für Zeitverschiebungen waren immer ökonomischer Natur. Bis heute ist der Beweis ausgeblieben, dass die Zeitverschiebungen tatsächlich zu Einsparungen geführt haben.

Schlafforscher warnen vor den Auswirkungen der Zeitumstellung. Frauen, ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, deren Organismus sich mit der Anpassung an Zeitumstellungen schwerer tuen, sind in der Regel stärker betroffen. Die meisten Betroffenen klagen über Anpassungsproblemen wie Schlafstörungen, Unwohlsein, depressive Stimmung und Appetitlosigkeit. Die Schwere der Symptome sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und können bis zu zwei Wochen andauern. Chronobiologen wie der Münchener Till Roenneberg gehen sogar von bis zu vier Monaten Umstellungszeit aus.

Schlafmediziner und Chronobiologen beklagen seit Jahren das Spiel mit der inneren Uhr. In den 1980er und 90er Jahren untersuchte der amerikanische Wissenschaftler Stanley Coren unfallbedingte Todesfälle im zeitlichen Umfeld der Umstellung auf die Sommerzeit und bei der Rückstellung auf die Normalzeit. Das Ergebnis zeigte einen Anstieg der Unfälle mit Einführung der Sommerzeit und einen leichten Rückgang mit dem Beginn der Winterzeit. Coren vertritt die Auffassung, dass der Anstieg der tödlichen Unfälle im Frühjahr mit dem zeitlichen Verlust einer Stunde zusammenhängt, während der Rückgang der Unfälle während der Umstellung auf die Winterzeit mit dem Gewinn einer Schlafstunde zusammenhängt. In Russland wurde die Zeitumstellung mit Wirkung zum 31. Oktober 2011 aufgehoben. Die Begründung des russischen Präsidenten: weniger Stress für Mensch und Tier.

¹ Der Chronobiologe Till Roenneberg im Interview mit netdoktor.de

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