Johann Peter Eckermann

Heinrich der Vierte an den Schlaf
Wie viele Tausende der ärmsten Wichte
Sind jetzt zu süßem Schlummer hingestreckt. —
Du holder Schlaf! mit welchem Schreckgesichte,
Daß mich du fliehest, hab’ ich dich geschreckt?
Die müden Augen suchen dich vergebens,
Du bleibst mir fern, du bester Freund des Lebens.

In schmutzigen Schenken, dumpfigwarmen Löchern,
Beym schnorrenden Gesumm von tausend Fliegen,
In Ställen, Scheunen, windig unter Dächern,
Sie können überall erquicklich liegen.
Nur dem kühlduftenden Gemach der Großen
Ist deine Wohlthat, holder Schlaf, verschlossen.

Bey Nacht zur See, wenn heft’ge Stürme blasen,
Wenn heulend sie durch Tau’ und Segel pfeifen;
Wenn auf und ab die hohen Wellen rasen,
Die das Verdeck mit Brausen überschweifen;
Schwebt stark gewiegt im Mastkorb hoch der Knabe
Genießend ruhig süßen. Schlafes Gabe.

Wenn denn der Schlaf mit Sturm in Schlummer wieget,
Wenn lieblichste Musik an ihm verschwendet;
Wenn er patteyisch schlechtem Sttoh sich füget,
Doch treulos sich von Königspolstern wendet;
Dann selig der, wer sich als Bettler legt,
Unselig aber, wer die Krone trägt.

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