Doping durch Schlafmittel?

Le champion – Joseph Kutter (1932) Wikimedia Commons

Ein erholsamer Schlaf ist die Voraussetzung um Höchstleistungen zu vollbringen. Das wissen auch Sportler und Sportmediziner. Wer trotz mentaler Anspannung erholsam schläft, kann im Wettkampf bessere Leistungen abrufen. Die Anspannung vor einem Wettkampf kann einen erholsamen Schlaf verhindern und so kommt es, dass Spitzensportler zu Schlaftabletten greifen.

Das Schlafmittel Stilnox tauchte in den letzten Tagen immer wieder in der Presse im Zusammenhang mit Sportlern auf. Ein Fußballspieler von Bayern München hatte über den Verein ungehinderten Zugang zu Stilnox. Er stand jüngst vor Gericht, weil er unter Einfluss von Alkohol und Stilnox sein Haus angezündet hatte.

Ein andere Fall erregte in Australien große Aufmerksamkeit. Der dreifache Olympiasieger Grant Hackett gestand in einer Fernsehsendung jahrelang von Stilnox abhängig gewesen zu sein. In der Sendung sagte Hackett unter Tränen: „Die Pillen haben mir Angst gemacht. Sie sind böse.“ Er berichtete von Wutausbrüchen und Handgreiflichkeiten gegenüber seiner Familie.

Laut Grant Hackett ist die Verwendung von Stilnox bei Großereignissen wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen weit verbreitet. Schlafmittel gelten nicht als Dopingmittel und stehen auf keiner Verbotsliste, Blut und Urin werden nicht daraufhin untersucht.

Stilnox ist ein Schlafmittel mit einer Halbwertszeit von 2-3 Stunden. Es hat eine sedierende und muskelentspannende Wirkung die das Einschlafen erleichtert und die Schlafdauer verlängern soll. Ähnlich wie bei Benzodiazepin-Präparaten können physische und psychische Abhängigkeiten entstehen. Die Kombination mit Alkohl oder anderen sedierenden Substanzen kann die Wirkung erhöhen. Das Sterberisiko von Schlafmittelkonsumenten erhöht sich auf das Drei- bis Fünffache, die Krebsgefahr steigt sogar auf 35 Prozent.

Der Oympiasieger und Schwimmweltmeister Mark Warnecke sagte gegenüber der Tageszeitung „Welt“: „Das Problem basiert auf einer Fahrlässigkeit der betreuenden Ärzte, die den Sportlern manchmal zu schnell solche Medikamente geben, um auf einfache Art Ruhe zu erreichen.“

Schweizer Wissenschaftler zeigen Wege auf, wie auf natürliche Weise der Schlaf zur Leistungssteigerung benutzt werden kann. Arno Schmidt-Trucksäss von der Universität Basel hat die sportliche Leistung und die Chronotypen des Probanden untersucht. Menschen lassen sich grob in zwei verschiedenen Chronotypen einteilen: die frühaufstehenden Lerchen und die später am Tag aktiv werdenden Eulen. Im Versuch wurden die Probanden mit unterschiedlichen Lichtstärken bestrahlt und mussten 40 Minuten auf einem Fahrradergometer in die Pedalen treten. Die Lerchen unter ihnen, die mit hellem Licht bestrahlt wurden konnten ihre Leistung steigern. Das weist auf einen Zusammenhang zwischen der inneren Uhr des Menschen, der Lichtmenge und der Leistungsfähigkeit hin. Die Leistungssteigerung viel genau 14,5 Stunden nach der tiefsten Schlafphase statt.

Der Tiefschlaf sorgt für die körperliche Erholung, während der REM Schlaf – die Zeit der intensiven Träume – die Erlebnisse des Vortags festigt und für die mentale Erholung zuständig ist.

Daniel Erlacher, Sportwissenschaftler an der Universität Bern hat in verschieden Studien nachgewiesen, das der REM Schlaf nicht nur geistige Erlebnisse festigt sondern auch motorische:

  • Wer am Tag neue Bewegungsabläufe trainiert, erlebt in der darauffolgenden Nacht einen längeren REM Schlaf.
  • Im Traum kann das Erlebte noch einmal durchgespielt werden. Die Probanden die während des Schlafs „trainiert“ hatten, konnten am folgenden Tag bessere Leistungen erbringen als die Probanden sie nicht von sportlichen Einheiten während des Schlafs berichteten.

Entscheiden ist jedoch die Qualität des Schlafs. Erlachers Fazit: „Je erholsamer der Schlaf, desto besser die Leistungen im Rennen.“

Erlacher hatte früher erforscht, wie sich Bewegungen im Schlaf erlernen und optimieren lassen. Durch „luzides träumen“ oder auch Klarträume – wer im Traum merkt das er träumt – kann sich neue Welten erschließen. Stabhochspringer oder Kugelstoßer können über Nacht ihre Technik perfektioniern und Nervenstärke gewinnen. Das Klarträumen kann trainiert und erlernen werden.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Doping durch Schlafmittel?

  1. Sehr interessanter Artikel. Ein Satz im letzten Drittel ergibt allerdings keinen Sinn: „Die Leistungssteigerung viel genau 14,5 Stunden nach der tiefsten Schlafphase statt.“ Soll es evtl. heißen „fand […] statt“?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s