Ignaz Friedrich Castelli

An den Schlaf
Herr Somnus! auch mit ihm will ich
Einmal ein Wörtchen sprechen,
Für seine Neckereien mich
Durch dieses Liebchen rächen.
Er ist ein sonderbarer Mann,
Kommt, wenn man ihn nicht brauchen kann,
Und trotzt oft ganze Nächte,
Wo man zu schlafen dächte.

Pfuy! schäm‘ er sich in’s Herz hinein,
Er, der ein Gott vor Zeiten,
Läßt sich mit Dieben, Mördern ein,
Und hilft den schlechten Leuten.
Er wieget uns in süße Ruh‘
Und drückt uns fest die Augen zu,
Damit wir’s ja nicht wehren,
Daß sie den Schrank uns leeren.

Sag‘ er, wann wird er denn einmal
Nicht mehr auf Weiber jagen? —
„Er liebelt jetzt noch überall
In seinen alten Tagen.
Die Mädchen weiß er fein zu dreh’n,
Mit ihm muß jede sich versteh’n,
Er zwingt sie, ohn‘ Erbarmen,
Zu ruh’n in seinen Armen.

Wie neckt er nicht auf manche Art
Die Kindeswärterinnen?
Nur er macht, daß sie gar so hart
Ihr Stückchen Brot gewinnen.
Er weiß, daß ihn nicht sonderlich
Der Dichter liebt, — drum laßt er sich
Von Weibern Opfer bringen,
„Eya Popaya“ singen.

Wer klug ist, wünscht ihm, so wie ich,
Die Gottheit abzusprechen,
Denn wahrlich! Götter pflegen sich
Nicht gleich, wie er, zu rächen;
Und wenn man auch nur eine Nacht
Ihm trotzt und ihn vertanzt, verlacht,
Rächt er sich an den Augen,
Die Tags darauf nichts taugen.

Er, und der dicke Weingott seid
Mir saubere Patronen,
Thut man euch Beiden nur Bescheid,
Pflegt ihr uns schlecht zu lohnen.
Ihr nehmt uns das Bewußtsein ab,
Und würdigt uns zum Vieh herab,
Er folget dem Genusse
Des Weines auf dem Fuße.

Stets handelt er inconsequent,
Den Kranken in dem Bette
Flieht er, da doch der Patient
Ihn öfters nöthig hätte;
Und Einem, der bei Nacht, wenn’s still
Und ruhig ist, studieren will,
Drückt er, er grober Recket!
Fest zu die Augendeckel.
Thut er das auch zu unserm Glück,

Daß er mit schlauen Künsten
Uns läßt manch schonen Augenblick
Verschlafen und verdunsten?
Wie oft täuscht er mit Nektarschaum
Den trocknen Gaumen durch den Traum,
Und läßt wohl gar uns wallen
In Paradieses Hallen.

Und gleich darauf erfrecht er sich,
Macht zittern uns und beben,
Und martert uns gar fürchterlich,
Bringt uns wohl gar um’s Leben.
Wie mancher fromme, arme Christ
Wird oft gehangen und gespießt,
Wie mancher muß versinken
Und jämmerlich ertrinken.

Er ist ein undankbarer Mann;
Will man Tribut ihm zollen,
Und hängt man ihm zu mächtig an,
Wird Aug‘ und Kopf geschwollen.
Schlafmützen nennt uns dann der Hohn;
Er lacht dazu, er Haupt-Coujon,
Fängt an, sich auszudehnen
Und neuerdings zu gähnen.

Sieh! sieh! der grobe faule Hund —
Lähmt mir — schon Aug‘ — und Hände, —
Zerrt — unwillkürlich mir den Mund —
Und — macht dem Schimpf — ein Ende; —
Der Klügere — gibt — immer — nach,
Dießmal – Pardon,—doch werd‘ ich —wach,
Will — ich — ihn — schon ver — treiben,
Und — aus — den — Augen — reiben.

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