Johann Wilhelm Ludwig Gleim

An den Schlaf
Du dumme Schläfrigkeit! hinweg! laß mich doch trinken!
Du nimmst von meiner Lebenszeit
Mir viel zu viel! ich seh‘, ich seh‘ die Sonne sinken,
Des Tages Abend ist nicht weit!
Vielleicht ist auch nicht weit der Abend meines Lebens;
Halt, süßer Schlaf, halt ein!
Mich überwältigen willst du? Es ist vergebens,
Du raubst mir Zeit und Wein!

Der Tod, der stärkre Tod, der alles überwindet,
Den Zepter und den Hirtenstab,
Der, die ihn fliehen, sucht, und allzuleichte findet,
Der wirft nun bald auch mich ins Grab.
Ach! diesen Feind bewegt nicht Bitten und nicht Flehen,
Nicht List und nicht Betrug,
Kommt er, so will ich gleich mit ihm geduldig gehen,
Und dann schlaf‘ ich genug.

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