Karen Blixen über das Träumen

„Menschen, dich nachts im Schlafe träumen, kennen ein Glück, das die Tageswelt nicht gewährt, eine stille Verzückung, ein Schweben der Seele, das wie Honig auf der Zunge ist. Und sie wissen auch, dass die Wonne der Träume das Gefühl grenzenloser Freiheit ist. Es ist nicht die Freiheit des Tyrannen, der der Welt seinen Willen aufdrängt, sondern die Freiheit des Künstlers, der keinen Willen hat, der frei von Willen ist. Die Freude des wahren Träumers besteht nicht im Inhalt des Traumes, sondern in etwas anderem: darin, dass sich alles ohne sein Zutun ereignet und seiner Einwirkung völlig entzogen ist. Große Landschaften erschaffen sich selbst, weite herrliche Ausblicke, schwellende und zarte Farben, Straßen, Häuser, die er nie gesehen, von denen er nie gehört hat. Fremde Menschen treten auf und sind seine Freunde oder Feinde, obgleich der Träumende nie etwas mit ihnen zu schaffen gehabt hat. Die Vorstellung des Fliegens und Dahinjagens kehren in Träumen immer wieder und sind nicht minder berauschend (…) Und immer umfängt den Träumer das Gefühl der unermesslichen Freiheit und durchströmt ihn wie Luft und Licht als überirdische Seligkeit.“Aus „Jenseits von Afrika“

5933_karen_blixenKaren Christence von Blixen-Finecke 1885-1962, in Deutschland unter dem Pseudonym Tanja Blixen bekannt, war eine dänische Schriftstellerin und Kaffeefarmerin in Kenia.

Nachdem Studium der Malerei begann sie zu schreiben. Mit ihrem Mann ging sie 1913 nach Kenia und bewirtschaftete eine Kaffeeplantage. 1931 kehrte Sie nach Dänemark zurück und widmete sich dem Schreiben. Ihre bekannteste Erzählung ist Babettes Fest dessen Verfilmung 1988 eine Oscar gewann, einem breiten Publikum wurde Tanja Blixen durch den Film Out of Africa bekannt. Hier spielt Meryl Streep an der Seite von Robert Redford die Schriftstellerin.

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5 Gedanken zu “Karen Blixen über das Träumen

  1. Hi du Lieber,
    prima Idee, etwas über Tanja Blixen zu bringen. Ich halte sie für eine der großen skandinavischen Schriftstellerinnen. Ihre Werke sind dazu noch werkgetreu und packend verfilmt, wie du schon erwähnst.
    Ganz liebe Grüße vom Meer
    Klausbernd und seine munteren Buchfeen Siri & Selma

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    • Liebe Dina, Schande über mein Haupt. Ich habe schon so viel von Babettes Fest gehört, koche selber leidenschaftlich und gerne und doch habe ich den Film bis heute nicht gesehen. Kommt auf den Wunschzettel nach ganz oben. Danke für die Erinnerung und herzliche Grüße
      Georg

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  2. ob Künstler frei von Willen sind, lasse ich mit einem Fragezeichen stehen …
    und ob die Träume ganz so frei sind, wie es Frau Blixen beschreibt auch … sicherlich gibt es Überraschendes und sicherlich erscheinen sie, wie sie es wollen, andererseits kann man das Träumen trainieren, kann lernen einzugreifen, wenn es ungemütlich wird und … aber es ist natürlich auch viel Wahres daran- manche Träume und ihre Landschaften, ihre Geschichten sind mir bis heute ein Rätsel, wenn es auch schöne Rätsel sind-

    lieber Georg, danke für diesen feinen Artikel
    herzliche Grüße
    Ulli

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