Karl Kraus – Lob der verkehrten Lebensweise

Lob der verkehrten Lebensweise
Denn als der Tag sich noch in Morgen und Abend teilte, wars eine Lust, mit dem Hahnenschrei zu erwachen und mit dem Nachtwächterruf zu Bett zu gehen. Aber dann kam die andere Einteilung auf, es ward Morgenblatt und es ward Abendblatt, und die Welt lag auf der Lauer der Ereignisse. Wenn man eine Weile zugesehen hat, in wie beschämender Art sich diese vor der Neugierde erniedrigen, wie feige sich der Lauf der Welt den gesteigerten Bedürfnissen der Information anpasst und wie schließlich Zeit und Raum Erkenntnisformen des journalistischen Subjekts werden – dann legt man sich aufs andere Ohr und schläft weiter. „Nehmt, müde Augen, eures Vorteils wahr, den Aufenthalt der Schmach nicht anzusehn!“

Karl Kraus: (1874-1936)  war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker, Herausgeber der Fackel sowie vor allem ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.

Elias Canetti wurde in seiner Wiener Zeit stark von Karl Kraus beeinflußt. Er besuchte seine Wiener Vorlesungen. Er überwarf 1934 mit Kraus, als dieser den faschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß unterstütze.

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