Marie Luise Kaschnitz

Der Schlafwagenschläfer schläft solange der Zug fährt, wacht auf wenn er stillsteht, also jeweils für einige Minuten auf den Stationen. Bei einem längeren Halt, und gar noch auf freier Strecke, ist gleich der Teufel los, was soll das, wo sind wir, da wird nach dem Schaffner geklingelt, Durst hat man ohnehin. Die Klingel klingelt aber nicht und der Schaffner geht keinesfalls im Korridor auf und ab um seine internationalen Schäfchen zu beruhigen, das war einmal, ist nicht mehr, dem guten Hirten ist alles egal. Sodass man nicht aufhört sich Sorgen zu machen, wie soll das weitergehen mit solchen Verspätungen, heißgelaufenen und abgehängten Wagen jeden Augenblick und jetzt vielleicht der Schlafwagen abgehängt und stehengelassen, wo, in einem Sumpfwald natürlich, auf ungeschottertem Bahnkörper; da wird er wegsacken mit der Zeit. Da werden wir wegsacken, ich und meine skandinavischen Nachbarn, und auf dem Bahnhof einer fremden Hauptstadt laufen unsere Angehörigen dem Zug entlang. Der Schlafwagen, was für ein Schlafwagen, wir führen keinen, seit wann nicht mehr, seit Jahrzehnten nicht mehr.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s