Der Schlaf

Schau, schlummernder Schläfer, und lausch‘ deinem Wahn —
Hier tauch‘ ich und husch‘ ich auf dunkelnder Bahn
In den weiten, den schweifenden Räumen.
Mit schwebendem Schleier umschling‘ ich den Mond
Und locke und lache — das Licht ist enttront,
Und rings hastet’s von hüpfenden Träumen.

Blindfarbige Allmacht, nun flute daher,
Du wogendes Schwarz, du geräuschloses Meer,
Drin Sonnen und Sterne verbluten. —
Das gaukelt und schaukelt, und schwärzt und verhüllt,
Bis Weltall und Seele sich gläubig erfüllt
Mit den schweigenden heiligen Fluten.

Nun schließ deine Augen — hin dehnt sich dein Hirn
In das weite, das weiche, das seel’ge Verwirrn,
In das lösende, leise vernichten.
Dann quillt es herauf dir im Märchenschein
Wie Flüstern von kommendem Werden und Sein,
Wie von Schaffen und Träumen und Dichten.

220px-Adalbert_von_HansteinAdalbert von Hanstein (1861-1904) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller. Seit 1890 war er Theaterkritiker und ab 1893 Feuilletonredakteur des Berliner Fremdenblattes. 1894 bis 1901 war er Dozent für Literaturge-schichte und Ästhetik an der Humboldt-Akademie in Berlin und 1896 bis 1897 Dramaturg am Theater des Westens in Charlottenburg. Auch unter seinem Pseudonym Ludwig Bertus bekannt, war von Hanstein Mitglied des Friedrichshagener Dichterkreises, einer Vereinigung von Schrift-stellern des Naturalismus in Berlin. Ab 1900 war er Privatdozent an der Technischen Hochschule in Hannover, wo er 1903 zum Professor ernannt wurde. (Aus Wikipedia)

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