Schlafmangel und Unfallhäufigkeit

In unserem Beitrag zur Zeitumstellung haben wir auf die Petition von Hubertus Hilgers hingewiesen. Folgend ein Beitrag von Hubertus Hilgers über den Zusammenhang von Schlaf und Unfällen.

Wissenschaftler warnen schon seit vielen Jahren vor Unfällen und Katastrophen, die durch schläfrige Menschen oder solche, die ungewollt einschlafen, ausgelöst werden können. 1994 tagte in Stockholm eine internationale Konferenz. Man erörterte dort den Zusammenhang zwischen Arbeitszeiten, Übermüdung und Unfällen. Am Schluß verabschiedeten die Experten eine Konsenserklärung mit folgendem Wortlaut:

Sieben Punkte Erklärung:

I. Der Schlaf des Menschen ist ein zentrales und lebenswichtiges Grundbedürfnis.

II. Wird dieses Bedürfnis mißachtet, etwa durch zu kurze Schlafdauer oder durch Nachtarbeit, können die Folgen weiter reichen, als viele wahrhaben wollen. Die schädlichen Auswirkungen von chronischem Schlafentzug, ungenügendem oder gestörten Schlaf addieren sich. Mit jedem Faktor riskiert man mehr Fehler und Unfälle.

III. Sehr lange Arbeitswege, finanzielle und soziale Anreize erhöhen ständig den Druck, länger am Stück zu arbeiten und die Arbeit selbst zu verdichten. Das kann die Müdigkeit weiter verschärfen, die ihrerseits die Arbeitsteilung beeinträchtigt.

IV. Weltweit schlafen Nachtschichtarbeiter oftmals bei der Arbeit oder während der anschließenden Heimfahrt ein; dadurch steigt die Unfallhäufigkeit.

V. Auf Fernstraßen und Stadtautobahnen ist die Gefahr einschlafbedingter Unfälle besonders hoch, insbesondere zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens sowie am frühen Nachmittag. Zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens steigt das Risiko für Straßenverkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang deutlich an. In mehr als der Hälfte davon sind junge Männer unter 30 Jahren verwickelt, selbst wenn Alkohol als Unfallursache ausgeschlossen werden kann. Die derzeitige Unfallberichterstattung unterschätzt aller Wahrscheinlichkeit nach, wie häufig Verkehrsunfälle auf Einschlafen zurückzuführen sind.

VI. Da Ermüdung die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt, zieht sie vermutlich viel häufiger Industrie- und Verkehrsunfälle nach sich, als sich das in den offiziellen Untersuchungen und Statistiken niederschlägt

VII. Fehlende oder unzureichende Arbeitszeitregelungen gefährden in vielen Ländern die öffentliche Sicherheit. Das gilt vor allem für Branchen, in denen die Arbeit der Beschäftigten direkt auf die eigene Sicherheit zurückwirken kann, auf die öffentliche Sicherheit oder gar auf die Umwelt (zum Beispiel Verkehr, Chemie, Kernenergie).
(Quelle: „Unsere Innere Uhr“ von Jürgen Zulley und Barbara Knab)

Trotz dieser Konsenserklärung fehlt bis heute eine entsprechende Umsetzung. Im Sektor der Luftfahrt zum Beispiel veröffentlichte die Vereinigung Cockpit folgende aktuelle Ergebnisse ihrer letzten Umfrage unter Ihren 6530 Piloten in Deutschland, wovon 2807 Piloten antworteten:

– 93 % der Befragten Piloten ist aufgrund von Erschöpfung im Cockpit bereits ein Fehler unterlaufen.
– 92 % waren so müde, daß sie besser dem Cockpit ferngeblieben wären.
– 88% fühlten sich nach dem Dienst zu müde, um noch mit dem Auto nach Hause zu fahren. Bei Langstreckenpiloten traf dies noch mehr zu als bei Kurzstreckenpiloten.
– 69 % der Befragten fühlten sich, wenn sie aus dem Bereitschaftsdienst aktiviert wurden, eigentlich schon zu müde, um den kompletten Dienst noch durchzuführen.
– 37 % der Piloten sind im Cockpit schon einmal unbeabsichtigt eingeschlafen. Langstreckenpiloten zu einem größeren Teil als Kurzstreckenpiloten.
– 14 % der Befragten waren bereits wegen Übermüdung schon einmal beinahe oder tatsächlich in einem – sicherheitsrelevanten Zwischenfall – verwickelt.
Das bei diesem erreichtem Ermüdungsgrad der anspruchvollste Teil des Fluges, nämlich die Start- und Landungsphase, nach Empfinden der Betroffenen bereits übermüdet durchgeführt wurde, ist naheliegend.

Zudem sind einer aktuellen Studie der britischen Pilotenvereinigung Balpa zur Folge bereits mehr als die Hälfte aller Piloten schon einmal im Cockpit eingeschlafen. Davon gaben 29% sogar an, daß der zweite Pilot neben ihnen ebenfalls geschlafen habe, als sie wieder aufwachten.

Hier sehen wir alle die drastischen Auswirkungen von zu wenig Schlaf. Absolut verschärft wird diese Situation zusätzlich durch die Umsetzung der „Sommerzeitverordnung“, die den Körper zwingt, gegen seinen Rhythmus aktiv zu sein. Unser natürlicher Schlafrhythmus ist unser höchstes Gut und Basis unserer Gesundheit.
Sagen Sie JA zur Beibehaltung der Normalzeit und JA zum Leben!

Mit gesundheitlichen Grüßen
Ihr
Hubertus Hilgers

“Der Schlaf sei das tägliche Brot deiner Seele.”
Carl Ludwig Schleich, Arzt und Schrifsteller

Alle weiteren Informationen zur Petition erhalten Sie unter diesem Link.

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Ein Gedanke zu “Schlafmangel und Unfallhäufigkeit

  1. Pingback: Sommerzeit abschaffen! | Ganzheitlich Schlafen

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