Otto zur Linde – Der Schlaf ist nicht des Endlichen

Der Schlaf ist nicht des Endlichen
Umgrenzung oder Verwandelung
In Endliches, den Schlaf verstehen wir noch nicht.

Wenn Unendliches das Endliche
Schafft und ist —
Da ist „zeugendes Vergessen“ aber noch nicht Schlaf.

Schlaf als alles Organischen
Selbstvergiftung
Ist doch die mißlungne Welt.

Ihr seht einen Rhythmus
Und so rettet ihr euch:
Zahllose Neugeburt aus mimikriertem Tod.

Solcher Tod ist unecht —
Daß es euer Schlaf auch ist, ach
Euer Wachen ist noch viel gespenstischer.

Gäb es „Stoff“,
Welche Sinnlosigkeit,
Daß er sich „ausruhn“ müsse!

Muß eure Seele ruhn?
Das ist ja ein falsches Bild nur —
Aber ihr naht euch einer „selischen Qualität“.

Das Leid und das Mißlungene —
In mir schwimmt ein Ahnen,
Aber mein Wissen ist noch nicht wach.

Otto_zur_LindeOtto zur Linde (1873-1938) war ein deutscher Schriftsteller. Seine Kindheit war geprägt von schweren rachitischen und skrofulösen Erkrankungen, die früh zu einer Hornhauttrübung führten. 1899 promovierte er zum Doktor der Philosophie, anschließend hielt er sich in London auf, Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ging zur Linde 1902 nach Berlin, wo er ein zurückgezogenes Leben in ärmlichen Verhältnissen führte. Von 1904 bis 1914 gab er die mit Rudolf Pannwitz begründete Zeitschrift Charon heraus. 1925 stellte er seine schriftstellerische Arbeit ein. Seine letzten Lebensjahre waren von einsetzender Erblindung, pathologischer Melancholie und Depressionen geprägt (Aus Wikipedia). Mehr über Leben und Werk zur Lindes im Lexikon Westfälischer Autoren.

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