Guten Abend, gut’ Nacht

Guten Abend, gut’ Nacht,
mit Rosen bedacht,
mit Näglein besteckt,
schlupf unter die Deck:
Morgen früh, wenn Gott will,
wirst du wieder geweckt.

Guten Abend, gut’ Nacht,
von Englein bewacht,
die zeigen im Traum
dir Christkindleins Baum.
Schlaf nun selig und süß,
schau im Traum ’s Paradies.

Der Text
Die erste Strophe des Textes zu dem von Johannes Brahms vertonten Gedicht entstammt der Sammlung Des Knaben Wunderhorn, welche Achim von Armin und Clemens Brentano im Jahre 1808 veröffentlichten. Brentano übertrug den Text – dessen Ursprünge auf das Spätmittelalter zurückgeht – ins Hochdeutsche.

Im Zusammenhang der spätmittelalterlichen Textfassung erschließt sich die heute nicht mehr unmittelbar verständliche Pflanzenmetaphorik besser: die Rosen sollen ein schützendes Dach bilden, und die Näglein – eine veraltete, regional aber auch heute noch gebräuchliche Bezeichnung für Gewürznelken – sollen einen Schutz darstellen, da sie wegen ihrer ätherischen Öle gegen Ungeziefer und Krankheitserreger eingesetzt wurden. Der Schutzwunsch bezieht sich dabei allgemein auf einen geliebten Menschen.*

Es handelte sich also eher um ein Liebeslied, dass erst durch Arnim/Brentano als Kinderlied deklariert wurde. Die Textergänzung um die zweite Strophe stammt von dem bayerischen Volksliedsammler Georg Scherer, der das Lied 1849 in seine Sammlung „Alte und neue Kinderlieder“ aufnahm.

Das Lied
Johannes Brahms komponierte das Wiegenlied auf der Grundlage eines alten Volksliedes, 1868 für Arthur und Bertha Faber anlässlich der Geburt ihres Kindes.

„Frau Bertha wird nun gleich sehen, dass ich das Wiegenlied gestern ganz bloß für ihren Kleinen gemacht habe; sie wird es auch, wie ich, ganz in Ordnung finden, dass, während sie den Hans in Schlaf singt, der Mann sie ansingt und ein Liebeslied murmelt.“**

Das Lied ist weltweit ein „Klassiker“ in Kinderspieluhren und lässt sich bis heute in mehr als 60 Filmen nachweisen.

 

* zitiert nach Wikipedia
**Marion Gerards: Frauenliebe, Männerleben: die Musik von Johannes Brahms und der Geschlechterdiskurs im 19. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Weimar 2010, ISBN 978-3-412-20496-9, S. 155–165

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