Wenn der Schlaf gestört ist

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Ramon Casas – Müde, um 1895

Die Schlafforschung kann bis heute keine genaue Antwort auf die Frage geben, wie viel Schlaf der Mensch braucht. Galten viele Jahre fünf Stunden als ausreichend, scheinen neuere Untersuchungen von einem Schlafbedürfnis von mehr als sechs Stunden auszugehen, wer weniger schläft ist nicht automatisch krank. Wenn es wissenschaftlich nicht gesichert ist wie viel Schlaf der Mensch benötigt, kann im Umkehrschluss auch keine exakte Definition von Schlafmangel abgegeben werden.

Schlafmediziner unterscheiden zwischen primären und sekundären Insomnien (Schlafkrankheiten). Liegen keine organischen Ursachen zu Grunde handelt es sich um eine primäre Insomnie, tritt die Schlafstörung als Folge einer Grunderkrankung auf spricht man von einer sekundäre Insomnie.

Ein geringes Schlafbedürfnis ist keine Krankheit. Wie unterscheiden sich Kurzschläfer von Menschen mit einer primären Insomnie? Erstere fühlen sich nach dem Schlaf erfrischt und leistungsfähig, Schlafkranke fühlen sich schwach, weniger leistungsfähig und niedergeschlagen, verfügen über eine eingeschränkte Konzentration und stolpern oder fallen häufiger. Der Kurzschläfer verspürt keinen Leidensdruck.

Genaue Angaben können Schlafmediziner über die langfristigen Folgen einer primären Insomnie machen. Als gesichert gilt der Zusammenhang von Schlafstörung und Depression. Andere Studien verweisen auf ein erhöhtes Risiko von Diabetes, Übergewicht, der Erkrankung der arteriellen Gefäße oder kardiovaskulären Störungen.

Schwere Schicksalsschläge oder chronische Alltagsbelastungen sind oftmals Faktoren die das Auftreten der Krankheit begünstigen. Anfällig sind besonders Frauen, ältere, Menschen mit erhöhter emotionaler Erregung, einer ängstlichen Persönlichkeitsstruktur oder einer genetischen Vorbelastung. Eine permanenter Anspannungs- und Erregungszustand und eine gestörte Balance zwischen Wachen und Schlafen begünstigen ebenfalls das Auftreten der Krankheit.

Der Schlüssel im Überwinden der Krankheit liegt oftmals in den Betroffenen selbst. Jeder Mensch hat andere Befindlichkeiten und reagiert anders auf Störquellen. Daher müssen Lösungsansätze bei Schlafstörungen immer individuell entwickelt werden. Bevor man einen Arzt oder Therapeuten aufsucht, sollte man sich selbst auf die Suche nach den Ursachen machen. Wer über einen langen Zeitraum seinen Schlaf vernachlässigt hat wird nicht „über Nacht“ den verlorenen Schlaf zurückfinden. Generell ist ein Umdenken erforderlich. Um wieder gesund zu schlafen sind die Regeln der Schlafhygiene zu beachten. Eine Verhaltenstherapie oder das Erlernen von Entspannungstechniken kann ebenfalls erfolgreich sein.

„Unsere Gesellschaft die den Göttern der Effizienz, der Rentabilität und der Spezialisierung opfert, verwandelt den Schlaf in eine gewöhnliche physiologische Funktion. So ist Schlaf kein Vergnügen mehr, sondern wird zur Last. Man hat nicht mehr Lust zu schlafen, man will schlafen. Schlaf ist das Gegenteil von wollen! Man findet den Schlaf weil man nichts mehr sucht. Man gibt sich dem Schlaf nicht mehr hin, man konsumiert ihn. … Den Schlaf betrügt man nicht. … Wer unredlich schläft und seinen Schlaf missachtet, wird nicht weit schlafen.“  Henri-Frédéric Blanc¹

Schlafmediziner empfehlen eine Kombitherapie: die Einnahme von Benzodiazepinen in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie. Vorsicht ist bei der Einnahme von Benzodiazepin und ähnlichen Derivaten geboten, hier besteht eine erhöhte Suchtgefahr. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen haben Apotheken in Deutschland im Jahr 2009 mehr als 30 Millionen Packungen mit diesen Wirkstoffen verkauft. Der Verein schätzt das mehr als 1 Millionen Menschen hierzulande abhängig sind.

¹ Henri-Frédéric Blanc- Im Reich des Schlafs

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