Eugen Roth – Beim Einschlafen

Beim Einschlafen

Ein Mensch möchte‘ sich im Bette strecken,
doch hindern die zu kurzen Decken.
Es friert zuerst ihn an den Füßen,
Abhilfe muss die Schulter büßen.
Er rollt nach rechts und meint, nun ging’s,
Doch kommt die Kälte prompt von links.
Er rollt nach links herum, jedoch
Entsteht dadurch von rechts ein Loch.
Indem der Mensch nun dies bedenkt,
Hat Schlaf sich mild auf ihn gesenkt,
Und schlummernd ist es ihm geglückt:
Er hat sich warm zurechtgerückt.
Natur vollbringt oft wunderbar,
Was eigentlich nicht möglich war.

eugen-rothEugen Roth, Dr. phil., (1895-1976)  Münchener Lyriker,  2 Monate freiwilliger Kriegsteilnehmer, schwerverletzt, dann Anti-Militarist, studierte Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie, promovierte über: „Das Gemeinschaftserlebnis des Göttinger Dichterbundes“, arbeitet als Lokalredakteur der Münchener Neusten Nachrichten. Von den Nationalsozialisten 1933 entlassen, veröffentlichte er 1935 seinen Gedichtband „Ein Mensch“. Bis 1964 erscheinen mehrere Bände die zusammen eine Millionenauflage erreichen. Unverändert gehört Eugen Roth zu den beliebtesten deutschen Dichtern. Sein Leben zusammengefasst in zwei Zeilen:

Ein Mensch schaut in die Zeit zurück
Und sieht: Sein Unglück war sein Glück.

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Ein Gedanke zu “Eugen Roth – Beim Einschlafen

  1. der arme Eugen – wahrscheinlich hatte er noch nichts von diesen wunderbaren übergroßen Bettdecken gehört oder die Zeiten waren damals tatsächlich so hart.
    meint die
    Gartenfee

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