In der Sommernacht

(c) Glasgow Museums; Supplied by The Public Catalogue Foundation

Walter Crane, The Briar Rose, 1905 Mittelteil eines Triptychons ©Glasgow Museums; Supplied by The Public Catalogue Foundation

Ich träumt‘ von Dir – bin ich erwacht
Und schau‘ nun bange in die Nacht –
Der Mond scheint blaß, in der schwülen Luft
Schwimmt süßer, schwerer Blumenduft –
Durchs offne Fenster dringt er ein …
Hat mich geweckt der Mondenschein
Oder dies Düften, süß und schwer,
Als ob’s Dein Atem, Geliebte, wär?
Hast Du auch träumend mein gedacht
Und bist voll süßer Glut erwacht?
Schwimmt in den Lüften Dein wilder Kuß,
Deiner dürstenden Liebe Gruß?
Ich seh‘ Dich … Du lehnst auf dem weißen Pfühl,
Deine Stirne glüht, doch die Hand ist kühl –
Du fieberst – nach mir … blickst bebend zur Seit‘,
Als grüßte Dich dort aus der Dunkelheit,
Wie in schöneren Nächten, so heute auch
Mein leuchtend Aug‘ und mein Lispelhauch …
Du Wilde, Du Schöne, wie gern, wie gern
Wär‘ ich bei Dir und bin so fern!
Mich macht die Unrast krank und matt,
Mein Lager wird zur Marterstatt –
Das heiße Kissen drück‘ ich an mich,
Als wärest Du’s – als hätt‘ ich Dich! …
Vor Deinem Fenster mit süßem Schall
Singt weich und schmachtend die Nachtigall –
Dazwischen tönt über Wald und Kluft,
Wie der wilde Falk nach Beute ruft:
Lausch‘ diesen Beiden, lausch‘ ihnen gut –
So, Liebste, ist jetzt mir zu Mut …
Karl Emil Franzos

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