Karen Stuke – Sleeping Sister

Schlaf ist Hineinkriechen des Menschen in sich selbst. – Christian Friedrich Hebbel

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Bielefeld Brackwede 2003 © Karen Stuke

KünstlerInnen erforschen in ihren Werken seit Jahrhunderten den Schlaf. Der voyeuristische Blick auf die schlafende Frau ist ein beliebtes Motiv in der Kunstgeschichte: Die Frau als hilfloses (ohnmächtiges) Wesen oder als schlafende Nackte. Tamara de Lempicka durchbrach dieses Klischee 1932 mit ihrem Bild La Dormeuse. Neben dem Weiblichen prägen mythologisch konnotierte Abbildungen und in der Neuzeit Paare oder Kinder die Kunstgeschichte des Schlafs.

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M/S Astor 2008 © Karen Stuke

Der Schlaf ist der einzige Ort um sich von der Zeit zu lösen. Die Zeit umgibt uns allgegenwärtig. Wir sind in ihr gefangen und werden von ihr getrieben. Zeit bedeutet eine unseren Lebensrhythmus bestimmende Dimension. Die einzige Gelegenheit Zeit nicht wahrzunehmen ist der Schlaf. Denn nur der Blick auf die Uhr verrät wie lange wir geschlafen haben.

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Istanbul 2009  © Karen Stuke

Eine Camera obscura (lat. camera „Kammer“; obscura „dunkel“) ist ein dunkler Raum mit einem Loch in der Wand, die als Metapher für die menschliche Wahrnehmung und für die Herstellung von Bildern verwendet wird. Wikipedia

Die Camera obscura von Karen Stuke beobachtet geduldig die Inszenierung des Schlafs. In ihrer Reihe „Sleeping Sister“ verschmelzen die Langzeitbeobachtungen zu einem Gesamteindruck, der an einen visualisierten Traum erinnert. Außen und Innen verwischen sich, die unbewusste Traumwelt verbindet sich mit der Bewegung des schlafenden Körpers. In den Fotografien von Karen Stuke erleben wir einen Raum, in dem die Grenzen zwischen Entdeckung und Täuschung verschwimmen. Die Gegenstände auf den Bildern: Bett, Nachtisch, Wände sind klar und deutlich erkennbar. Sie haben sich während der Aufnahme nicht bewegt. Einzig die liegende Figur ist verschwommen, verwischt durch die Bewegung während der Nacht. Stukes Kamera dokumentiert die Bewegungen der Nacht und die stundenlange Belichtung – so lange wie die Nachtruhe – verdichtet sich in einem Bild. Mit ihrer Technik bricht Karen Stuke mit dem tradierten voyeuristischem Blick auf die schlafende Person. Hat Tamara de Lempicka mit ihrem Bild La  Dormeuse erstmals dem Betrachter eine selbstbewusste blickende Frau gegenübergestellt, verschwimmt bei Stuke die Schlafende und lenkt so den Blick auf die Umgebung.

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Labatut 2005 © Karen Stuke

Weitere Abbildungen aus der Serie Sleeping Sister sowie ein Überblick über das Werk von Karen Stuke finden Sie auf der Webseite der Künstlerin.

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4 Gedanken zu “Karen Stuke – Sleeping Sister

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