Schlaflied für die Sehnsucht

O lege, Geliebter,
den Kopf in die Hände
und höre, ich sing‘ dir ein Lied.
Ich sing‘ dir von Weh und von Tod und vom Ende,
ich sing‘ dir vom Glücke, das schied.
Komm, schließe die Augen,
ich will dich dann wiegen,
wir träumen dann beide vom Glück.
Wir träumen dann beide die goldensten Lügen,
wir träumen uns weit, weit zurück.
Und sieh nur, Geliebter,
im Traume da kehren
wieder die Tage voll Licht.
Vergessen die Stunden, die wehen und leeren
von Trauer und Leid und Verzicht.
Doch dann – das Erwachen,
Geliebter, ist Grauen –
ach, alles ist leerer als je –
Oh, könnten die Träume mein Glück wieder bauen,
verjagen mein wild-heißes Weh!
Selma Meerbaum-Eisinger

meerbaum_esingerSelma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) aus Czernowitz, war eine deutschsprachige Dichterin, die als verfolgte Jüdin achtzehnjährig in einem deutschen Arbeitslager an Fleckfieber starb. Ihre Hinterlassenschaft besteht aus 58 Pretiosen. Die eigentliche Entdeckung Selma Merbaums erfolgte durch die Stern-Reportage von Jürgen Serke, er veröffentlichte ihre Gedichte unter dem Titel Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Bei Selma Merbaums Gedichten handelt es sich vorwiegend um impressionistische Liebes- und Naturlyrik von beachtlicher Stilsicherheit, die durchgängig von einer melancholischen Grundstimmung geprägt sind.  Das Werk der Autorin gehört neben den Gedichten Rose Ausländers und Paul Celans zum großen literarischen Erbe der ausgelöschten deutsch-jüdischen Kultur der Bukowina. Quelle: Wikipedia

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