Ausstellung Silke Rehberg – Schlafende – in der Denkerei Berlin

© Silke Rehberg/Denkerei

Für einen neuen Umgang mit komplexen Problemen hat der Kulturwissenschaftler Bazon Brock in Berlin 2011 die Denkerei gegründet. Am 2. Mai 2017 eröffnet in der Denkerei Berlin die Ausstellung „Schlafende“ mit einem Wandfries der Künstlerin Silke Rehberg. Dazu gibt es eine Vortragsreihe, in der unter anderem die Schlafforscherin Thea Herold darüber sprechen wird, warum wir schlafen müssen, während eingeladene Kulturwissenschaftler über die Frage sprechen, warum die griechischen Götter gerade nicht schliefen.

„Größtes Mirakel:
Die alten Griechen behaupteten,
Götter schliefen nicht.“

Der Schlaf wird oft negativ gesehen, wie die Philosophin Marina Seretti an Beispielen aus der Malerei der Renaissance zeigen wird, in denen Schlaf mit Faulheit und Lethargie verbunden wird. Der Kunsthistoriker und Konsumtheoretiker Wolfgang Ullrich erläutert das Schlafen im Museum, welches der Philosoph Lambert Wiesing wiederum in Bezug setzt zum kontemplativen Innehalten vor dem Bild. Hier gelangen Sie zur Webseite der Veranstaltung.

Theodor Storm – Zur Nacht

William Claxton – Steve McQueen ©Demont Photo Management

Vorbei der Tag! Nun laß mich unverstellt
Genießen dieser Stunde vollen Frieden!
Nun sind wir unser; von der frechen Welt
Hat endlich uns die heilige Nacht geschieden.

Laß einmal noch, eh sich dein Auge schließt,
Der Liebe Strahl sich rückhaltlos entzünden;
Noch einmal, eh im Traum sie sich vergißt,
Mich deiner Stimme lieben Laut empfinden!

Was gibt es mehr! Der stille Knabe winkt
Zu seinem Strande lockender und lieber;
Und wie die Brust dir atmend schwellt und sinkt,
Trägt uns des Schlummers Welle sanft hinüber.

Schlaf statt Sucht

© Gerd Altmann/pixabay, CC0 Public Domain

Vor allem ältere Menschen sind oft von Schlaftabletten abhängig. Mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland sind von Benzodiazepinen abhängig, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Die Beruhigungsmittel nehmen Ängste, bringen einen ruhigen Schlaf, lösen Krämpfe. Doch sie können schon nach wenigen Wochen süchtig machen. Die Mittel stehen unter Verdacht, das Demenzrisiko zu erhöhen. In der Ausgabe 16/2017 der Pharmazeutischen Zeitung beschreibt Brigitte M. Gensthaler die Folgen einer Benzodiazepin-Abhängigkeit. Insbesonders bei älteren Menschen können die negativen Begleitumstände einer Diazepin-Sucht fälschlicherweise für eine Depression oder eine beginnende Demenz gedeutet werden.

„Ebenso gut bekannt wie wenig beachtet ist die erhöhte Sturzgefahr, wenn Senioren unter Benzodiazepin-Einfluss nachts aufstehen. Nicht selten folgt auf einen Sturz die Pflege­bedürftigkeit. All dies sind gute Gründe, abhängige Patienten anzusprechen und sie beim ambulanten Entzug zu begleiten.“

Lesen Sie den ganzen Beitrag hier. Lesenswert ist auch der Beitrag: Vom Schlafmittel zum Suchtmittel. Quelle: Pharmazeutische Zeitung

Meisterwerke die im Bett entstanden (2)

Im zweiten Teil unserer kleine Reihen von Kunstwerken die im Bett entstanden sind, stellen wir Ihnen heute vor:

John Lennon und Yoko Ono
Am 24. März 1969 hielt ein weißer Rolls-Royce vor dem Hilton Hotel in Amsterdam. Ein frisch verheiratetes Paar stieg aus dem Wagen und schritt erhobenen Hauptes in die Präsidentensuite und blieb dort eine Woche im Bett. John Lennon und Yoko Ono starteten ihr berühmtes Bed-in. Damit wollten die beiden ihren Protest gegen den Krieg, vor allem in Vietnam, demonstrieren. Von 9 bis 21 Uhr stand die Suite der Weltpresse offen, die fleißig berichtete. Einem Reporter des kanadischen Senders CBC sagte Lennon: „Wenn Hitler und Churchill im Bett geblieben wären, wären heute noch viele Menschen am Leben.“

© Nationaal Archief, Den Haag, CC BY-SA 3.0 nl

Ragnar Kjartansson
2011 inszenierte der isländische Performancekünstler im Carnegie Museum of Art’s, Hall of Sculpture in Pittsburgh ein Performance mit seinen drei Nichten. Ragnheidur Harpa , Rakel Mjöll und Íris María Leifsdóttir wiederholten dabei einen Vers von Allen Ginsberg drei Wochen lang, sechs Stunden täglich.

Die endlose Wiederholung der Texte, die auf einer Gitarre melancholisch begleitet wird, schwingt mit dem historischen Skulpturenraum des Museums. Der ständig wiederkehrende Chorus und die drei Mädchen, die auf einem mit blauem Satin bedeckten Sockel sitzen, verwandeln die Marmorhalle in einen zusammenhängenden Ort, an dem verschiedene Teilnehmer im Dialog stehen: Ginsbergs Gedicht und seine romantische Deklaration, die neoklassizistischen Gipsabdrücke der alten Skulpturen und die drei jungen Sängerinnen verkörpern sowohl klassische als auch zeitgenössische Schönheitsideale.

Der nächsten Teil unserer Reihe führt uns nach Mexiko und nach Frankreich. Lassen Sie sich überraschen.

Meisterwerke die im Bett entstanden (1)

Das Bett und das Schlafzimmer fördern wegen der Widersprüchlichkeit von Wachheit und Schlummer, Stärke und Verletzlichkeit, Gesundheit und Krankheit, Privatsphäre und Intimität die Kreativität. Wenn es Ihnen morgens schwer fällt aus dem Bett zu kommen, verweilen Sie dort und lassen sich von den folgenden Künstlern inspirieren, die aus dem Bett heraus Meisterwerke schufen.

Salvador Dali und Philippe Halsman
Seit den frühern 1940er Jahren verband eine lebenslange Freundschaft den surrealistisch Maler und den Porträt- und Modefotografen. Bekannt ist das fo­to­gra­fische Interview „Dalis Schnurrbart“ oder das berühmte Foto „Dali Atomicus“ von 1948, das Dali und drei Katzen in einem schwebenden Zustand zeigen.

© Philippe Halsman/Magnum Photos

Hier sehen wir den spanischen Künstler im Bett bei einem Experiment mit „Projektionen auf schmutzigem Papier um die Inspiration zu stimulieren“. Das Foto von Philippe Halsman entstand 1964 im New Yorker St. Regis Hotel.

Mark Twain
Samuel Langhorne Clemens oder Mark Twain schrieb gerne im Bett. 1902 verriet er der New York Times: „Just try it in bed sometime. I sit up with a pipe in my mouth and a board on my knees, and I scribble away. Thinking is easy work, and there isn’t much labor in moving your fingers sufficiently to get the words down.”

© Library of Congress Prints and Photographs Division Washington. LC-USZ62-64204


Die Aufnahme entstand auf eigenen Wunsch im Jahr 1906 während der Zusammenarbeit mit seinem Biografen Albert Paine, der die letzten vier Jahre mit dem Autor zusammenlebte.

Der 2. Teil wird uns in ein Hotelbett in Amsterdam und in ein Museum in Pittsburgh führen.

Ostern 2017

Wir wünschen unseren Lesern erquickliche Ostertage. Die Redaktion hält es mit Lessings Ode an die Faulheit: „Ach!. . . ich gähn!. . . ich. . . werde matt“ und schläft sich mal wieder richtig aus.

Schlafen wir wirklich zu wenig?

Nach Umfragen von Krankenkassen und Meinungsforschungsinstituten nimmt die Zahl derer, die unter Schlafstörungen leiden zu. Als Begründung werden unsere Lebensumstände und die 24 Stunden Gesellschaft angeführt. Wem eingeredet wird jede Nacht gleich schlafen zu müssen und das an 365 Tagen im Jahr, wird sehr schnell Schlafstörungen entdecken. Da unser Verhalten am Tag unseren Schlaf beeinflusst, stellen wir die Frage: Wer möchte eigentlich tagein, tagaus immer das Gleiche erleben?

1996 hatte das amerikanische Magazin Atlantic Monthly über eine Studie berichtet, nach der sich die Schlafzeit in den letzten 150 Jahre von 9 auf 7,5 Stunden verringert habe. Diese Zahl wird heute noch als Argument für eine schlaflose Gesellschaft angeführt.

„Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“. Winston Churchill

Als Jim Horne, emeritierter Professor für Psychophysiologie an der Loughborough University und ehemaliger Direktor der Sleep Research Center die Originalstudie aus dem 19. Jahrhundert sichtete, stellte er fest, dass sich die Ergebnisse auf Kinder zwischen 8 und 17 Jahren bezog. Und die schlafen heute noch genauso lange wie damals.

Schlafmangel wird oft mit der Schlaflatenz belegt, also der Zeitspanne vom Zubett gehen bis zum Einschlafen. Weniger als 10 Minuten werden als Zeichen einer Schlafstörung gewertet. Doch unter welchen Bedingungen werden solche Tests eigentlich durchgeführt? Ein dunkler Raum, die Aufforderung sich zu entspannen, die Augen zu schließen und langsam einzunicken sind nicht mit den Gegebenheit daheim zu vergleichen.

Wer sich am Wochenende eine extra lange Auszeit gönnt, demonstriert aus Sicht des Schlafmediziners einen Nachholbedarf an Schlaf. Allerdings essen und trinken wir auch über unsere biologischen Bedürfnisse hinaus. Also, warum nicht auch mal länger schlafen?

Jim Horne befragte 11.000 Personen zwischen 20 und 65 Jahren wie viel Schlaf sie jede Nacht bekämen und wie viel Schlaf sie als nötig erachteten. Rund die Hälfte der Befragten gaben an 25 Minuten zu wenig zu schlafen. Aber diese „Mangelschläfer“ waren tagsüber genauso selten müde oder schläfrig wie die ausgeschlafenen Befragten.

„Ein geringes Maß an Schlaflosigkeit ist nicht ohne Nutzen dafür, den Schlaf richtig schätzen zu lernen und außerdem sein Dunkel ein wenig aufzuhellen.“ Marcel Proust

Unbestritten ist das Schlafmangel gesundheitlich Folgen nach sich zieht. Wer zu wenig schläft wird dick, dumm und krank lautet eine eingängige Formel. Eine Gewichtszunahme erfolgt aber erst nach einem dauerhaften Schlafpensum von unter 5 Stunden! Das Diabetesrisiko steigt erst ist bei einer Schlafdauer von unter 4 Stunden.

Wenn Schlaf ein individuelles Bedürfnis ist, wieso sollen dann alle Menschen gleich(viel) schlafen? Es lässt sich gut verdienen an der schlaflosen Gesellschaft. Lassen wir uns nicht verrückt machen. Freuen wir uns das wir heute besser schlafen als je zuvor.

Blow Up – Das Bett im Film

Sreenshot © ARTE

Luc Lagier hat für das Arte Filmagazin Blow Up dem Bett eine Sendung gewidmet. Wir finden: zu Recht. Sehen Sie alle wichtigen Kinosquenzen und eine persönliche Top Five. Zum Start hier klicken. Gute Unterhaltung.

Frühjahrsmüdigkeit – Was Sie dagegen tun können

CC0 Public Domain

Unter der Frühjahrsmüdigkeit versteht man eine verringerte Leistungsbereitschaft und Mattigkeit, die viele Menschen im Frühling erleben. Die Symptome treten meist ab Mitte März bis Mitte April auf und sind unterschiedlich ausgeprägt. Am häufigsten treten Müdigkeit, Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Kreislaufschwäche und Gereiztheit auf. Es handelt sich bei der Frühjahrsmüdigkeit um keine Krankheit, sondern um eine durch den Jahreszeitenwechsel hervorgerufene Erscheinung.

Die genauen Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit sind nicht vollständig geklärt. Fest steht das die Tage länger und die Nächte kürzer werden. Der Körper stellt sich auf einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus ein. Nach der langen, dunklen Jahreszeit ist der Serotoninspeicher im Körper aufgebraucht. Serotoninmangel ist einer der Hauptgründe für die Frühjahrsmüdigkeit. Der Körper reguliert jetzt den Stoffwechsel und Hormonhaushalt neu. Es werden verstärkt Endorphin, Testosteron und Östrogen ausgeschüttet. Die erhöhte Hormonproduktion benötigt Mineralstoffe und Vitamine. Das wechselhafte Wetter ist eine weitere Belastung für den menschlichen Organismus. Durch die Wärme weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Das alles macht müde und schränkt die Leistungsfähigkeit ein. Die Ernährung spielt auch eine Rolle, in der kalten Jahreszeit neigt man dazu, sich kalorien-, fett- und kohlenhydratreicher als in den Sommermonaten zu ernähren.

Und so kommen Sie wieder in Schwung

• Ändern Sie Ihren Tagesrhythmus: stehen Sie früher auf und gehen Sie früher zu Bett, dass erhöht die Serotoninproduktioin und verringert die Melatoninausschüttung und hilft gegen das Müdigkeitsgefühl.

• Ein kurzer Mittagsschlaf erfrischt.

• Wichtig sind Tageslicht und frische Luft. Spaziergänge versorgen uns mit Sauerstoff und regen unseren Kreislauf an.

• Stellen Sie Ihre Ernährung um. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornbrot sind jetzt besonders wichtig. Mehrere kleine Mahlzeiten machen nicht so träge wie wenige, aber größere Mahlzeiten. Das regt den Stoffwechsel an.

• Tanken Sie Sonnenlicht, möglichst ohne Sonnenbrille, denn die UV-Strahlen können nur dann Einfluss nehmen, wenn Sie direkt auf die Netzhaut des Auges trifft.

• Sportliche Betätigung, Gymnastikübungen und Wechselduschen helfen gegen Kreislaufbeschwerden.

Zeitumstellung am 25.03.2017

© unbekannt

Die alljährliche Zeitumstellung im Frühjahr ist für viele Menschen eine Belastung. Seit Jahren versuchen engagierte Bürger dagegen anzugehen. Initiativen und Parteien zweifeln die Sinnhaftigkeit an. Doch warum ändert sich nichts? Der Deutsche Bundestag ist gar nicht befugt eine Änderung vorzunehmen, denn die Sommerzeit wurde EU-weit eingeführt und kann auch nur im Einvernehmen aller EU Mitgliedsstaaten wieder abgeschafft werden.

„Irgendwann ist die Richtlinie einmal beschlossen worden, aber der Aufwand diese jetzt wieder zurückzunehmen ist viel größer“, sagt Herbert Reul, der für die CDU im Europaparlament sitzt und sich dort seit über zehn Jahren für die Abschaffung einsetzt. „Wenn die Kommission ihrerseits einen Vorschlag machen würde, müssten die Mitgliedstaaten diesem nur noch zustimmen und umsetzen“, so Reul. Die EU-Kommission spielt jedoch den Ball zurück und sieht die Mitgliedstaaten am Zug. Dafür bräuchte es aber 28 Einzelentscheidungen, die letztlich zu einem einheitlichen Ergebnis gelangen müssten, um eine Neuregelung zu treffen. Lange nicht alle Mitgliedstaaten hätten sich aber bislang überhaupt mit dem Thema beschäftigt. „Es ist natürlich ein vergleichbar kleines Problem, drängendere Fragen drehen sich um die Flüchtlingskrise und Terrorabwehr“, so Reul.*

Nach einer Forsa-Umfrage für die Krankenkasse DAK-Gesundheit kämpft jeder vierte Deutsche mit gesundheitlichen Problemen wegen der Zeitumstellung. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen seien die häufigsten Beschwerden. Männer scheinen wegen der Zeitumstellung vor allem ein Problem mit der Pünktlichkeit zu haben: 27 Prozent sagen, dass sie deshalb morgens zu spät bei der Arbeit erscheinen; bei den Frauen sind es nur acht Prozent.

Wir haben in der Vergangenheit Wege zu einer sanften Umstellung des Körpers auf den neuen Schlaf-Wach-Rhythmus vorgestellt. Hier gelangen Sie zu dem Beitrag. Wir halten es mit Franz Kafka: „Dies frühzeitige Aufstehen macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muß seinen Schlaf haben.“

*Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/26240638 ©2017