Ausstellung Silke Rehberg – Schlafende – in der Denkerei Berlin

© Silke Rehberg/Denkerei

Für einen neuen Umgang mit komplexen Problemen hat der Kulturwissenschaftler Bazon Brock in Berlin 2011 die Denkerei gegründet. Am 2. Mai 2017 eröffnet in der Denkerei Berlin die Ausstellung „Schlafende“ mit einem Wandfries der Künstlerin Silke Rehberg. Dazu gibt es eine Vortragsreihe, in der unter anderem die Schlafforscherin Thea Herold darüber sprechen wird, warum wir schlafen müssen, während eingeladene Kulturwissenschaftler über die Frage sprechen, warum die griechischen Götter gerade nicht schliefen.

„Größtes Mirakel:
Die alten Griechen behaupteten,
Götter schliefen nicht.“

Der Schlaf wird oft negativ gesehen, wie die Philosophin Marina Seretti an Beispielen aus der Malerei der Renaissance zeigen wird, in denen Schlaf mit Faulheit und Lethargie verbunden wird. Der Kunsthistoriker und Konsumtheoretiker Wolfgang Ullrich erläutert das Schlafen im Museum, welches der Philosoph Lambert Wiesing wiederum in Bezug setzt zum kontemplativen Innehalten vor dem Bild. Hier gelangen Sie zur Webseite der Veranstaltung.

Schlaf statt Sucht

© Gerd Altmann/pixabay, CC0 Public Domain

Vor allem ältere Menschen sind oft von Schlaftabletten abhängig. Mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland sind von Benzodiazepinen abhängig, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Die Beruhigungsmittel nehmen Ängste, bringen einen ruhigen Schlaf, lösen Krämpfe. Doch sie können schon nach wenigen Wochen süchtig machen. Die Mittel stehen unter Verdacht, das Demenzrisiko zu erhöhen. In der Ausgabe 16/2017 der Pharmazeutischen Zeitung beschreibt Brigitte M. Gensthaler die Folgen einer Benzodiazepin-Abhängigkeit. Insbesonders bei älteren Menschen können die negativen Begleitumstände einer Diazepin-Sucht fälschlicherweise für eine Depression oder eine beginnende Demenz gedeutet werden.

„Ebenso gut bekannt wie wenig beachtet ist die erhöhte Sturzgefahr, wenn Senioren unter Benzodiazepin-Einfluss nachts aufstehen. Nicht selten folgt auf einen Sturz die Pflege­bedürftigkeit. All dies sind gute Gründe, abhängige Patienten anzusprechen und sie beim ambulanten Entzug zu begleiten.“

Lesen Sie den ganzen Beitrag hier. Lesenswert ist auch der Beitrag: Vom Schlafmittel zum Suchtmittel. Quelle: Pharmazeutische Zeitung

Ostern 2017

Wir wünschen unseren Lesern erquickliche Ostertage. Die Redaktion hält es mit Lessings Ode an die Faulheit: „Ach!. . . ich gähn!. . . ich. . . werde matt“ und schläft sich mal wieder richtig aus.

Schlafen wir wirklich zu wenig?

Nach Umfragen von Krankenkassen und Meinungsforschungsinstituten nimmt die Zahl derer, die unter Schlafstörungen leiden zu. Als Begründung werden unsere Lebensumstände und die 24 Stunden Gesellschaft angeführt. Wem eingeredet wird jede Nacht gleich schlafen zu müssen und das an 365 Tagen im Jahr, wird sehr schnell Schlafstörungen entdecken. Da unser Verhalten am Tag unseren Schlaf beeinflusst, stellen wir die Frage: Wer möchte eigentlich tagein, tagaus immer das Gleiche erleben?

1996 hatte das amerikanische Magazin Atlantic Monthly über eine Studie berichtet, nach der sich die Schlafzeit in den letzten 150 Jahre von 9 auf 7,5 Stunden verringert habe. Diese Zahl wird heute noch als Argument für eine schlaflose Gesellschaft angeführt.

„Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“. Winston Churchill

Als Jim Horne, emeritierter Professor für Psychophysiologie an der Loughborough University und ehemaliger Direktor der Sleep Research Center die Originalstudie aus dem 19. Jahrhundert sichtete, stellte er fest, dass sich die Ergebnisse auf Kinder zwischen 8 und 17 Jahren bezog. Und die schlafen heute noch genauso lange wie damals.

Schlafmangel wird oft mit der Schlaflatenz belegt, also der Zeitspanne vom Zubett gehen bis zum Einschlafen. Weniger als 10 Minuten werden als Zeichen einer Schlafstörung gewertet. Doch unter welchen Bedingungen werden solche Tests eigentlich durchgeführt? Ein dunkler Raum, die Aufforderung sich zu entspannen, die Augen zu schließen und langsam einzunicken sind nicht mit den Gegebenheit daheim zu vergleichen.

Wer sich am Wochenende eine extra lange Auszeit gönnt, demonstriert aus Sicht des Schlafmediziners einen Nachholbedarf an Schlaf. Allerdings essen und trinken wir auch über unsere biologischen Bedürfnisse hinaus. Also, warum nicht auch mal länger schlafen?

Jim Horne befragte 11.000 Personen zwischen 20 und 65 Jahren wie viel Schlaf sie jede Nacht bekämen und wie viel Schlaf sie als nötig erachteten. Rund die Hälfte der Befragten gaben an 25 Minuten zu wenig zu schlafen. Aber diese „Mangelschläfer“ waren tagsüber genauso selten müde oder schläfrig wie die ausgeschlafenen Befragten.

„Ein geringes Maß an Schlaflosigkeit ist nicht ohne Nutzen dafür, den Schlaf richtig schätzen zu lernen und außerdem sein Dunkel ein wenig aufzuhellen.“ Marcel Proust

Unbestritten ist das Schlafmangel gesundheitlich Folgen nach sich zieht. Wer zu wenig schläft wird dick, dumm und krank lautet eine eingängige Formel. Eine Gewichtszunahme erfolgt aber erst nach einem dauerhaften Schlafpensum von unter 5 Stunden! Das Diabetesrisiko steigt erst ist bei einer Schlafdauer von unter 4 Stunden.

Wenn Schlaf ein individuelles Bedürfnis ist, wieso sollen dann alle Menschen gleich(viel) schlafen? Es lässt sich gut verdienen an der schlaflosen Gesellschaft. Lassen wir uns nicht verrückt machen. Freuen wir uns das wir heute besser schlafen als je zuvor.

Zeitumstellung am 25.03.2017

© unbekannt

Die alljährliche Zeitumstellung im Frühjahr ist für viele Menschen eine Belastung. Seit Jahren versuchen engagierte Bürger dagegen anzugehen. Initiativen und Parteien zweifeln die Sinnhaftigkeit an. Doch warum ändert sich nichts? Der Deutsche Bundestag ist gar nicht befugt eine Änderung vorzunehmen, denn die Sommerzeit wurde EU-weit eingeführt und kann auch nur im Einvernehmen aller EU Mitgliedsstaaten wieder abgeschafft werden.

„Irgendwann ist die Richtlinie einmal beschlossen worden, aber der Aufwand diese jetzt wieder zurückzunehmen ist viel größer“, sagt Herbert Reul, der für die CDU im Europaparlament sitzt und sich dort seit über zehn Jahren für die Abschaffung einsetzt. „Wenn die Kommission ihrerseits einen Vorschlag machen würde, müssten die Mitgliedstaaten diesem nur noch zustimmen und umsetzen“, so Reul. Die EU-Kommission spielt jedoch den Ball zurück und sieht die Mitgliedstaaten am Zug. Dafür bräuchte es aber 28 Einzelentscheidungen, die letztlich zu einem einheitlichen Ergebnis gelangen müssten, um eine Neuregelung zu treffen. Lange nicht alle Mitgliedstaaten hätten sich aber bislang überhaupt mit dem Thema beschäftigt. „Es ist natürlich ein vergleichbar kleines Problem, drängendere Fragen drehen sich um die Flüchtlingskrise und Terrorabwehr“, so Reul.*

Nach einer Forsa-Umfrage für die Krankenkasse DAK-Gesundheit kämpft jeder vierte Deutsche mit gesundheitlichen Problemen wegen der Zeitumstellung. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen seien die häufigsten Beschwerden. Männer scheinen wegen der Zeitumstellung vor allem ein Problem mit der Pünktlichkeit zu haben: 27 Prozent sagen, dass sie deshalb morgens zu spät bei der Arbeit erscheinen; bei den Frauen sind es nur acht Prozent.

Wir haben in der Vergangenheit Wege zu einer sanften Umstellung des Körpers auf den neuen Schlaf-Wach-Rhythmus vorgestellt. Hier gelangen Sie zu dem Beitrag. Wir halten es mit Franz Kafka: „Dies frühzeitige Aufstehen macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muß seinen Schlaf haben.“

*Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/26240638 ©2017

Johann Sebastian Bach – Schlummert ein, ihr matten Augen

Schlummert ein, ihr matten Augen,
Fallet sanft und selig zu!
Welt, ich bleibe nicht mehr hier,
Hab ich doch kein Teil an dir,
Das der Seele könnte taugen.
Hier muß ich das Elend bauen,
Aber dort, dort werd ich schauen
Süßen Friede, stille Ruh.

„Ich habe genug“ ist eine der meistgespieltesten Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs. Die zentrale Arie „Schlummert ein, ihr matten Augen“ ist als Schlummerarie bekannt, die es zudem für Männer- und Frauenstimme gibt.

„Als Bach seine Basskantate „Ich habe genug schrieb“, konnte er nicht mehr auf die freien Formen der älteren deutschen Kirchenkantate zurückgreifen, wie sie z.B. Bruhns verwendet hatte. Seit spätestens 1710 sah eine Cantata im lutherischen Gottesdienst “nicht anders aus als ein Stück aus einer Opera: aus Rezitativen und Arien zusammengesetzt”. So hatte es der Hamburger Pastor Erdmann Neumeister, der “Erfinder” der modernen deutschen Kirchenkantate, von der poetischen Kanzel herab verkündet.“ Kammermusikführer

Wir haben uns für die Aufnahme von Karl Ristenpart und Dietrich Fischer-Dieskau aus dem Jahr 1951 entschieden, die Teil der CD Johann Sebastian Bach Cantatas 56 & 82 ist.

Die 12 Rauhnächte – Die Zeit zwischen den Jahren

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Vilhelms Purvitis – Winter, 1910

In unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig für uns, Momente der Ruhe und Besinnung zu schaffen. So wie die Nacht unseren Tag bestimmt, so schaffen wir im Winter die Voraussetzung für die folgenden Jahreszeiten.

In der Zeit zwischen den Jahren, von unseren Vorfahren auch Rauhnächte genannt, sollte Ruhe das höchste Gebot sein. Früher glaubte man, das übermäßige Aktivitäten in dieser Zeit Unglück bringe. Erschöpfung, Depression und eine Schwächung unserer Abwehrkräfte waren die Auswirkungen davon.

Als Rauhnächte bezeichnet man die Tage und Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar, stellvertretend für die folgenden 12 Monate. Bei der Umstellung des Mondkalender (354 Tage) auf auf den Sonnenkalender (365 Tage) ergab sich eine Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten. Diese Tage, die außerhalb der Zeit lagen, waren von der Geisterwelt beherrscht. Dementsprechend sorgsam gestaltete man die Rauhnächte. Was am 25. Dezember geschah war z.B. ein Orakel für den Monat Januar. Das Orakeln ist bis heute im sylvesterlichen Bleigießen erhalten geblieben.

Rau steht für „raues Klima“, aber auch für Räuchern, den Brauch das Haus und die Stallungen „auszuräuchern“. „Die zwolff naecht zwischen weihenacht und heyligen drey künigtag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache für alle teüfel gespenst vnd zauberey.“ (Sebastian Franck, 1534)

Dann gab es noch während der Rauhnächte besondere Tage, der 28. Dezember und der 5. Januar. Angenommen, man hatte die ersten drei Tage nur Streit oder das Wetter war schlecht, dann bot der 28. Dezember die Gelegenheit, alles wieder gut zu machen. Darum wurden diese Rauhnächte besonders vorsichtig und wachsam begangen, da sie das ganze kommende Jahr in sich bargen und jeder selber dafür verantwortlich war, wie er die Weichen in die Zukunft stellte.

Die Rauhnächte sind auch heute noch die Zeit, in der das Tageslicht nur kurz die Dunkelheit verdrängt. Unser Inneres tritt in den Vordergrund. Es ist Zeit das zurückliegende Jahr innerlich abzuschließen und sich gestärkt auf das kommende Jahr vorzubereiten. Wenn wir die „Stille Zeit“ richtig begehen, verhelfen wir unserem Körper und Geist zu ihrer verdienten Ruhezeit und wir können das neue Jahr mit neuen Kräften beginnen.

Hier einige Vorschläge für eine Auszeit:

Schaffen Sie sich ein ruhiges, gemütliches und erholsames Umfeld.

Jetzt ist die Zeit sich richtig auszuschlafen, gerne auch am Mittag.

Nutzen Sie das Tageslicht für Spaziergänge in der Natur.

Achten Sie auf Ihre Ernährung.

Achten Sie auf Ihre Träume in der Nacht und auf Ihre Fantasien/Eingebungen bei Tag. Machen Sie sich Notizen, damit diese nicht verloren gehen. Es sind wichtige Impulse für Ihr neues Jahr.

Ziehen Sie eine Jahresbilanz und finden Sie heraus was für Sie im neuen Jahr wichtig ist.

Wenn Sie mehr über die Bedeutung der einzelnen Tage erfahren wollen, finden Sie hier einen Link.

Weihnachten 2016

Herbert List, Magnum

Herbert List, Magnum

Wir wünschen unseren Lesern ein schönes und entspanntes Weihnachtsfest. Vielleicht bauen Sie über die Feiertage ihr Schlafdefizit ab, z.B. mit einem Mittagsschlaf. Herrlich nach dem Gänsebraten und vor dem Stollen. Haben Sie eine schöne Zeit. Das wünscht Ihnen die Schlafmütze vom Dienst.

Theodor Adorno – Traumprotokolle

adorno_01956 notierte Theodor Adorno: „Unsere Träume sind nicht nur als ‚unsere‘ untereinander verbunden, sondern bilden auch ein Kontinuum, gehören einer einheitlichen Welt an, so etwa, wie alle Erzählungen von Kafka in ‚Demselben‘ spielen. Je enger aber Träume untereinander zusammenhängen oder sich wiederholen, um so größer die Gefahr, daß wir sie von der Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden können.“ Die Bedeutung des motivischen Zusammenhangs seiner Träume legte ihm den Gedanken nahe, eine Reihe von ihnen auszuwählen und zu publizieren. Einer kleinen Sammlung solcher Traumprotokolle, die er für die Veröffentlichung vorgesehen hatte, stellte Adorno folgende Vorbemerkung voran: „Die Traumprotokolle, aus einem umfangreichen Bestand ausgewählt, sind authentisch. Ich habe sie jeweils gleich beim Erwachen niedergeschrieben und für die Publikation nur die empfindlichsten sprachlichen Mängel korrigiert.“ Klappentext der Buchausgabe. Herausgegeben von Christoph Gödde und Henri Lonitz. Mit einem Nachwort von Jan Philipp Reemtsma.

Hören Sie die Traumprotokolle die Georg Zeitblom mit Andreas Dorau für den Bayerischen Rundfunk produziert hat. Dauer: 52 Minuten.