Johann Sebastian Bach – Schlummert ein, ihr matten Augen

Schlummert ein, ihr matten Augen,
Fallet sanft und selig zu!
Welt, ich bleibe nicht mehr hier,
Hab ich doch kein Teil an dir,
Das der Seele könnte taugen.
Hier muß ich das Elend bauen,
Aber dort, dort werd ich schauen
Süßen Friede, stille Ruh.

„Ich habe genug“ ist eine der meistgespieltesten Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs. Die zentrale Arie „Schlummert ein, ihr matten Augen“ ist als Schlummerarie bekannt, die es zudem für Männer- und Frauenstimme gibt.

„Als Bach seine Basskantate „Ich habe genug schrieb“, konnte er nicht mehr auf die freien Formen der älteren deutschen Kirchenkantate zurückgreifen, wie sie z.B. Bruhns verwendet hatte. Seit spätestens 1710 sah eine Cantata im lutherischen Gottesdienst “nicht anders aus als ein Stück aus einer Opera: aus Rezitativen und Arien zusammengesetzt”. So hatte es der Hamburger Pastor Erdmann Neumeister, der “Erfinder” der modernen deutschen Kirchenkantate, von der poetischen Kanzel herab verkündet.“ Kammermusikführer

Wir haben uns für die Aufnahme von Karl Ristenpart und Dietrich Fischer-Dieskau aus dem Jahr 1951 entschieden, die Teil der CD Johann Sebastian Bach Cantatas 56 & 82 ist.

Theodor Adorno – Traumprotokolle

adorno_01956 notierte Theodor Adorno: „Unsere Träume sind nicht nur als ‚unsere‘ untereinander verbunden, sondern bilden auch ein Kontinuum, gehören einer einheitlichen Welt an, so etwa, wie alle Erzählungen von Kafka in ‚Demselben‘ spielen. Je enger aber Träume untereinander zusammenhängen oder sich wiederholen, um so größer die Gefahr, daß wir sie von der Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden können.“ Die Bedeutung des motivischen Zusammenhangs seiner Träume legte ihm den Gedanken nahe, eine Reihe von ihnen auszuwählen und zu publizieren. Einer kleinen Sammlung solcher Traumprotokolle, die er für die Veröffentlichung vorgesehen hatte, stellte Adorno folgende Vorbemerkung voran: „Die Traumprotokolle, aus einem umfangreichen Bestand ausgewählt, sind authentisch. Ich habe sie jeweils gleich beim Erwachen niedergeschrieben und für die Publikation nur die empfindlichsten sprachlichen Mängel korrigiert.“ Klappentext der Buchausgabe. Herausgegeben von Christoph Gödde und Henri Lonitz. Mit einem Nachwort von Jan Philipp Reemtsma.

Hören Sie die Traumprotokolle die Georg Zeitblom mit Andreas Dorau für den Bayerischen Rundfunk produziert hat. Dauer: 52 Minuten.

First Night Effect oder warum wir in fremden Betten oft schlecht schlafen

Charles Lutwidge Dodgson Rosy Dreams and Slumbers Light, 1873

Lewis Caroll (Charles Lutwidge Dodgson) Rosy Dreams and Slumbers Light, 1873

+++ In unserer ersten Veröffentlichung war der Link zu der Sendung inaktiv. Sie können jetzt den Beitrag des Deutschlandfunk hören +++

In der ersten Nacht an einem unbekannten Ort schlafen viele Menschen schlecht, der sogenannte First Night Effect. Schlafmediziner bezeichnen damit das Phänomen, dass die erste Nacht in einem fremden Bett oft anders verläuft als im heimischen Schlafzimmer. Nun haben Forscher der Brown University/Providence eine mögliche Erklärung dafür gefunden: Eine Hirnhälfte schläft weniger tief und bleibt somit wachsamer. Auf diese Weise können wir schneller reagieren, sofern eine Gefahr droht. Die Wissenschaftler haben die Aktivität verschiedener Hirnregionen in dieser ersten Nacht untersucht und mit späteren Nächten verglichen. Hören Sie Michael Langes Beitrag für den Deutschladfunks hier.

 

Günther Eich – Der Ring des Kalifen

Schlaf und Traum in einem Hörspiel von Günther Eich. In diesem Spiel um einen Kalifen und einen Lastträger, die beide Omar heißen, schleppt der Kalif in seinen Träumen Lasten und überlegt, wie man das Lastträgergewerbe erleichtern könne. Der Lastträger lenkt im Schlaf souverän und weise die Geschicke des Landes. Allah fügt es, daß Omar der Kalif und Omar der Lastträger einander begegnen. Einer schlüpft in die Existenz des anderen und beide finden nunmehr ein glückliches und erfülltes Leben.

1957 produzierte Hans Rosenhauer das Hörspiel für den NDR, mit Walter Richter und Hans Lothar in den Haupt(sprech)rollen.

Echtzeit (DR Kultur) – Schlafen

Unbenannt

© Deutschlandradio Kultur

Um den „Schlaf“ dreht sich die „Echtzeit“ in dieser Woche. Genauer: Um Obamas Wunderdroge fürs Wachbleiben, Literatur zum Einschlafen, gute Betten und Pflasterschläfer. Einige Tiere befinden sich um diese Jahreszeit im Winterschlaf, einige Menschen würden das wahrscheinlich auch gerne tun. Doch die Zeichen der Zeit deuten auf etwas ganz anderes hin: Selbstoptimierung greift auch auf die Phasen nächtlicher Bettruhe über! Weniger Schlaf ist mehr! Barack Obama soll angeblich Modafinil einnehmen, um weniger schlafen zu müssen. Wir fragen, wie sich Schlafentzug durch dieses Medikament auf die Wachphasen auswirkt. Und ob der Luxus-Schlaf in den Hotels dieser Welt wirklich am Boxspring-Bett und der Daunendecke hängt. Warum Vorlesen einschläfernd wirkt, erklärt uns Toby Baier, Macher des „Einschlafen Podcast“. Und ganz am Ende wird’s dreckig und düster: Wir reisen nach Neu Delhi, wo Pflasterschläfer für ihr Plätzchen im Freien auch noch zahlen müssen – auch wenn das direkt neben einer Kloake ist. Quelle: Deutschlandradio Kultur
Hier geht es zum Beitrag

„Tag? Nacht? Abgeschafft?“

© Éole – photopin cc

Wir haben seit einiger Zeit einen neuen Beschleunigungsschub zu verkraften. Ausstieg schwer möglich. Alles geht immer schneller, immer dichter, immer gleichzeitiger, den neuen Medien sei Dank. Weil unser kapitalistisches System auf einer Gleichung beruht: Zeit ist Geld. Wer Wachstum will, muss schneller leben. Wie sich die Folgen von der Beschleunigung und Verdichtung des Alltags auswirkt, hat Matthias Morgenroth in seinem einstündiges Feature Notausgänge aus dem Beschleunigungskarussell unterssucht.

„Wachsen und Steigern und Beschleunigungen sind systemische Notwendigkeiten, die sich auf den Einzelnen übertragen. Wir haben das Gefühl: Wenn wir uns nicht steigern, nicht bilden, nicht körperlich fit halten, dann fallen wir zurück. Wir stehen wie auf Rolltreppen und werden allein durch Stehenbleiben schon nach unten befördert.“
Prof. Hartmut Rosa, Jena, Zeitforscher

Hartmut Rosa fordert eine Zeitrevolution, die zugleich eine gesamtgesellschaftliche sei: Wir müssen die Fragerichtung umkehren: Nicht mehr fragen, wie schnell kann der Mensch noch werden, sondern stattdessen: Wieviel Geschwindigkeit tut dem Menschen und dem Leben auf diesem Planeten gut? Hier gelangen Sie zu dem Beitrag. Quelle: Bayerischer Rundfunk

Bayerische Schlafkultur (Podcast)

Gloria Jansen, Mère et fille, 2012, Suisse

Gloria Jansen – Mutter und Kind, 2012

„Schlaf ist nicht gleich Schlaf. Es gibt den Schlaf der geschlafen wird, es gibt den Schlaf, der erforscht wird und es gibt den Schlaf, der, nennen wir es vorsichtig, ‚betrachtet‘ wird. Eine der berühmtesten Schlaf-‚Betrachtungen‘ formulierte Platon:  Der Schlaf ist ein kurzer Tod, der Tod ein langer Schlaf‘.“ (Thomas Kernert)

Als Angehöriger einer Agrarkultur musste der Bayer jahrhundertelang früh aufstehen. Auch kannte er lange Zeit weder Schlafzimmer, noch Schlafanzug, noch Federkernmatratze.
Thomas Kernert beschäftigt sich in dem 50minütigen Podcast mit der Geschichte der bayerischen Schlafkultur. Hier gelangen Sie zu dem Beitrag des Bayerischen Rundfunks.