Schlaf statt Sucht

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Vor allem ältere Menschen sind oft von Schlaftabletten abhängig. Mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland sind von Benzodiazepinen abhängig, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Die Beruhigungsmittel nehmen Ängste, bringen einen ruhigen Schlaf, lösen Krämpfe. Doch sie können schon nach wenigen Wochen süchtig machen. Die Mittel stehen unter Verdacht, das Demenzrisiko zu erhöhen. In der Ausgabe 16/2017 der Pharmazeutischen Zeitung beschreibt Brigitte M. Gensthaler die Folgen einer Benzodiazepin-Abhängigkeit. Insbesonders bei älteren Menschen können die negativen Begleitumstände einer Diazepin-Sucht fälschlicherweise für eine Depression oder eine beginnende Demenz gedeutet werden.

„Ebenso gut bekannt wie wenig beachtet ist die erhöhte Sturzgefahr, wenn Senioren unter Benzodiazepin-Einfluss nachts aufstehen. Nicht selten folgt auf einen Sturz die Pflege­bedürftigkeit. All dies sind gute Gründe, abhängige Patienten anzusprechen und sie beim ambulanten Entzug zu begleiten.“

Lesen Sie den ganzen Beitrag hier. Lesenswert ist auch der Beitrag: Vom Schlafmittel zum Suchtmittel. Quelle: Pharmazeutische Zeitung

Schlafen wir wirklich zu wenig?

Nach Umfragen von Krankenkassen und Meinungsforschungsinstituten nimmt die Zahl derer, die unter Schlafstörungen leiden zu. Als Begründung werden unsere Lebensumstände und die 24 Stunden Gesellschaft angeführt. Wem eingeredet wird jede Nacht gleich schlafen zu müssen und das an 365 Tagen im Jahr, wird sehr schnell Schlafstörungen entdecken. Da unser Verhalten am Tag unseren Schlaf beeinflusst, stellen wir die Frage: Wer möchte eigentlich tagein, tagaus immer das Gleiche erleben?

1996 hatte das amerikanische Magazin Atlantic Monthly über eine Studie berichtet, nach der sich die Schlafzeit in den letzten 150 Jahre von 9 auf 7,5 Stunden verringert habe. Diese Zahl wird heute noch als Argument für eine schlaflose Gesellschaft angeführt.

„Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“. Winston Churchill

Als Jim Horne, emeritierter Professor für Psychophysiologie an der Loughborough University und ehemaliger Direktor der Sleep Research Center die Originalstudie aus dem 19. Jahrhundert sichtete, stellte er fest, dass sich die Ergebnisse auf Kinder zwischen 8 und 17 Jahren bezog. Und die schlafen heute noch genauso lange wie damals.

Schlafmangel wird oft mit der Schlaflatenz belegt, also der Zeitspanne vom Zubett gehen bis zum Einschlafen. Weniger als 10 Minuten werden als Zeichen einer Schlafstörung gewertet. Doch unter welchen Bedingungen werden solche Tests eigentlich durchgeführt? Ein dunkler Raum, die Aufforderung sich zu entspannen, die Augen zu schließen und langsam einzunicken sind nicht mit den Gegebenheit daheim zu vergleichen.

Wer sich am Wochenende eine extra lange Auszeit gönnt, demonstriert aus Sicht des Schlafmediziners einen Nachholbedarf an Schlaf. Allerdings essen und trinken wir auch über unsere biologischen Bedürfnisse hinaus. Also, warum nicht auch mal länger schlafen?

Jim Horne befragte 11.000 Personen zwischen 20 und 65 Jahren wie viel Schlaf sie jede Nacht bekämen und wie viel Schlaf sie als nötig erachteten. Rund die Hälfte der Befragten gaben an 25 Minuten zu wenig zu schlafen. Aber diese „Mangelschläfer“ waren tagsüber genauso selten müde oder schläfrig wie die ausgeschlafenen Befragten.

„Ein geringes Maß an Schlaflosigkeit ist nicht ohne Nutzen dafür, den Schlaf richtig schätzen zu lernen und außerdem sein Dunkel ein wenig aufzuhellen.“ Marcel Proust

Unbestritten ist das Schlafmangel gesundheitlich Folgen nach sich zieht. Wer zu wenig schläft wird dick, dumm und krank lautet eine eingängige Formel. Eine Gewichtszunahme erfolgt aber erst nach einem dauerhaften Schlafpensum von unter 5 Stunden! Das Diabetesrisiko steigt erst ist bei einer Schlafdauer von unter 4 Stunden.

Wenn Schlaf ein individuelles Bedürfnis ist, wieso sollen dann alle Menschen gleich(viel) schlafen? Es lässt sich gut verdienen an der schlaflosen Gesellschaft. Lassen wir uns nicht verrückt machen. Freuen wir uns das wir heute besser schlafen als je zuvor.

Der Schlaf als Gedächtnisgärtner

Pierre Puvis de Chavannes, Der Traum, 1883 © The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei

Konrad Lehmann gibt in einem Beitrag des Magazins Telepolis eine Übersicht über den aktuellen Stand der Schlafforschung und geht der Frage nach, warum Gehirn und Körper Schlaf brauchen.

„Evolutionär betrachtet, scheint es keinen Zweck zu geben, für den Schlaf gebraucht würde.“

Da wir  offensichtlich im Schlaf klüger werden und träumen um zu vergessen,  kommt Lehmann zu den Ergebnis, das der Schlaf der Gärtner sei der die nächtlichen Erinnerung pflegt. Lesen Sie den Beitrag hier.

 

Winston Churchill über den Mittagsschlaf

Churchill

Winston Churchill – Quebec Conference, August 1944

„Zwischen Mittagessen und Abendessen muss man schlafen, und zwar keine halben Sachen. Ziehen Sie Ihre Kleider aus und legen sich ins Bett – und denken Sie bloß nicht, dass Sie weniger Arbeit schaffen, wenn Sie am Tage schlafen. Das ist eine dumme Idee von Leuten ohne Vorstellungsvermögen. Sie werden sogar mehr bewerkstelligen.“ Winston Churchill

Gehört der Mittagsschlaf zu unserem biologischen Programm und ist er für uns von Nutzen?. Überbrückt er nur eine leistungsarme Zeit oder steigert er die Leistung ? Nun, er tut beides. Hier erfahren Sie mehr über den Mittagsschlaf.

Der antike Heilschlaf

Äskulap bzw. Asklepios mit Schlangenstab – Halbrondell Neues Palais Sanssouci. Foto: Steffen Heilfort

Die Menschen in der Antike wussten durch Erfahrung wie wichtig der Schlaf – vorbeugend und heilsam – bei Krankheiten war. Ein Wissen das in Vergessenheit gerät. Aus der theurgischen Medizin (Entstehung und Heilung einer Krankheit wird einer übernatürlichen Kraft zugeschrieben), entwickelte sich in der Antike eine religiös geprägte Heilweise in deren Mittelpunkt Schlaf und Traum standen. Da Krankheiten auf göttliche Fügung zurückgingen, konnten sie auch nur durch eine Gottheit geheilt werden. Der Gott der Heilkunst Asklepios oder Äskulap war der Namensgeber der Heiligtümer in denen der Heilschlaf praktiziert wurde. Die Asklepieen entstanden an klimatisch und hygienisch günstigen Orten und waren ganzheitliche Zentren für Körper, Geist und Seele. In Epidauros (Griechenland) befand sich das bedeutsamste Asklepion. Ausgrabungen und deren steinerne Zeugnisse geben eine genauere Vorstellung über den Ablauf einer Heilkur.

Die Behandlungen wurden von Priestern und nicht von Ärzten durchgeführt. Zur seelischen Reinigung mussten die Besucher fasten, gefolgt von rituellen Waschungen. Die Reinigungszeremonie wurde durch Musik begleitet und die Wirkung dürfte durch die im Tempel anwesenden Schlangen noch verstärkt worden sein. Daran anschließend wurden dem Gott Asklepios Opfer dargebracht. Die so gereinigten und weiß gekleideten Patienten durften dann in das Abaton (Allerheiligste, das Unbetretbare). Dort begann der eigentliche Heilakt. Im Traum, während des Heilschlafs, erschien den Kranken ein Heilgott, von dem sie erfuhren, welche Heilmethode die geeignetste sei. Der Patient war verpflichtet den Traum schriftlich niederzulegen und den Priesterärzten zu übergeben. Die daraus entwickelten Therapien bestanden z.B. aus Fasten- oder Wasserkuren, Gymnastik, aber auch aus operativen oder medikamentösen Verfahren. Ein weiterer Bestandteil der Therapie war das kulturelle Angebote wie das 12.000 Personen fassende Theater, eine Bibliothek oder ein Sportstadion.

Der Glaube an die Heilung ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Die durch Glauben wirksam werdenden Kräfte sind nicht vergleichbar mit dem bekannten Placebo-Effekt, da sie sich auf eine über das eigene ich hinausreichende Wirklichkeit bezieht.

Durch die Inszenierung wurde der Patient in einen Zustand versetzt, der besondere psychische Kräfte freisetzte. Dazu kam, dass sich die Kranken selbst unter einen starken Erfolgsdruck setzten – der ganze Aufwand der Reise kann doch nicht vergeblich gewesen sein! Hier der Kurbericht des Apellas aus dem 2. Jahrhundert v. Ch.

Ich, Markus Iulius Apellas, aus Mylasa in Karien, wurde vom Gott hergeholt, weil ich oft krank wurde und an Verdauungsstörungen litt. Auf der Herfahrt also befahl er mir in Ägina, mich nicht heftig aufzuregen. Als ich ins Heiligtum kam, befahl er mir, für zwei Tage, während welcher Regen fiel, den Kopf zu verhüllen, Käse und Brot zu essen, Sellerie mit Salat, allein ohne fremde Hilfe zu baden, mich im Laufsport zu trainieren, von einer Zitrone die Schale, in Wasser eingeweicht, einzunehmen, im Bad bei den Akoai mich an der Wand zu reiben, den Wandelgang im Obergeschoss zu nutzen, die Schaukel zu benutzen, mich mit Sandbrei einzuschmieren, barfuss zu gehen; bevor ich im Bad ins warme Wasser steige, mich mit Wein zu übergiessen, mich allein zu waschen und eine attische Drachme dem Bademeister zu geben; dem Asklepios, der Epione und den Eleusinischen Göttinnen zusammen zu opfern, Milch mit Honig einzunehmen, als ich eines Tages nur Milch trank, sagte er: „Füge Honig zur Milch, damit es durchzuschlagen vermag!“ Als ich den Gott bat, mich schneller zu befreien, träumte ich, ich komme, mit Senf und Salz eingerieben, heil bei den Akoai aus dem Allerheiligsten heraus, ein Kind gehe mit einem dampfenden Weihrauchgefäss voraus, und der Priester sage: „Du bist geheilt, musst aber den Lohn bezahlen.“ Und ich tat, was ich im Traum gesehen hatte; und als ich mich mit Salz und Senf eingerieben hatte, bekam ich Schmerzen; als ich aber badete, nicht mehr. Dies in neun Tagen, seit meiner Ankunft. Er berührte auch meine rechte Hand und die Brust. Als ich am folgenden Tag Weihrauch darbrachte, versengte eine aufschiessende Flamme meine Hand, so dass sogar Blasen entstanden. Bald darauf wurde die Hand gesund. Als ich noch blieb, sagte er mir, ich soll Dill mit Öl gegen mein Kopfweh gebrauchen; ich hatte jedoch gar kein Kopfweh. Da passierte es mir, dass ich beim Studieren Blutandrang im Kopf bekam. Nachdem ich das Öl angewendet hatte, wurde ich von den Schmerzen befreit. Mit kaltem Wasser gegen die Schwellung des Zäpfchens zu gurgeln – denn auch darüber konsultierte ich den Gott –, ebenso gegen Mandelentzündung. Er befahl mir auch, dies aufzuzeichnen. Dankerfüllt und gesund reiste ich ab. Inschriftlicher Kurbericht des Apellas, Epidauros, 2. Jh. n. Chr.

Die Methode des Heilschlafs hielt sich in Mitteleuropa bis ins Mittelalter. Die christliche Religion ersetzte die Götter Asklepios oder Hygieia durch Heilige wie Damina oder Thekla. Die Asklepien wurden zu Kirchen umgebaut.

In der modernen Medizin wird der Heilschlaf in Form eines künstlichen Komas wiederaufgegriffen. Hier zeigen sich die Heilkräfte, die im Schlaf freigesetzt werden können. Anfang 2011 wurde die Gesellschaft für Heilschlaf-Hypnose e.V. gegründet, die hinsichtlich ihres Namens eine Anleihe beim erfolgreichen antiken Heilschlaf nimmt und dadurch gekennzeichnet ist, dass Hilfesuchende ihre Lösung selbst erträumten.

Der Rhythmus des Körpers und das Licht

„Eines der wichtigsten Bezugssysteme für alle Lebewesen ist der 24-Stunden Tag-Nacht-Zyklus mit seiner wechselnden Tageslänge während der Jahreszeiten. Endogene biologische Uhren werden täglich durch Licht synchronisiert, dem hauptsächlichsten Zeitgeber neben anderen äußeren Signalen wie Nahrungsaufnahme, Temperatur oder sozialen Hinweisen. Eine gute Anpassung sorgt für bestmögliche Leistungen am Tag und erholsamen Schlaf in der Nacht. Eine unzureichende Anpassung führt zu affektiven Störungen, zu kognitiver Beeinträchtigung, gestörten Schlaf-Wachrhythmen und einer Anfälligkeit für Krankheiten. Licht wird genutzt zur Optimierung von Schlaf-Wach Zyklen und zur Stimmungsaufhellung bei zahlreichen neuropsychiatrischen Erkrankungen.“ Quelle: norberteliascenter.de

anna wirz-justiceAnna Wirz-Justice ist emeritierte Professorin an der Universität Basel, wo sie das Zentrum für Chronobiologie gründete. Sie ist auf die Diagnose und Behandlung von circadianen und saisonalen Störungen spezialisiert und forschte zu den psychophysiologischen Grundlagen von circadianen Rhythmen, Schlaf, Stimmung und Leistungsfähigkeit beim Menschen. Die Lichttherapie zur Behandlung von Winterdepressionen brachte sie nach Europa und erweiterte das Behandlungsspektrum – von Alzheimer-Demenz bis hin zu Schlafstörungen. Sie hat das Internet Forum „Center for Environmental Therapeutics” mitgegründet, um Klinikern und Patienten fundierte Information über Licht und andere Chronotherapien zu liefern.

Vom Junk Sleep zum Junk Food

Foto Bulls Barcroft Media

Frühstück im Bett: Susanne Eman, USA, 378 kg, 22.000 Kalorien/Tag – Foto: Bulls Barcroft Media

Die Menschen werden im Medien- und Internetzeitalter angeblich nicht nur immer dicker, sie schlafen auch immer weniger. Wer nachts nicht mehr durchschlafen kann, legt kurze Schlafphasen ein, eben Junk Sleep. Als Junk Sleep bezeichnet man einen unzureichenden und fragmentarischen Schlaf.

Seit Jahren suchen Forscher nach Zusammenhängen zwischen Schlafgewohnheiten und Übergewicht, zeigen Studien, dass ausreichend Schlaf in hoher Qualität wichtig ist, um z. B. Übergewicht zu vermeiden. Mehrere Studien weisen auf die Zusammenhang von schlechten Schlafverhaltens und schlechter Ernährung hin. Eingeschränkter Schlaf führt demnach zu Überernährung, und einem Rückgang gesunder Nahrung hin zu einem verstärkten Konsum ungesunden Essens, dem Junk Food.

In den USA, der Heimat des Junk Foods gelten 30% der Bevölkerung als fettleibig, 60 % als übergewichtig. Eine Studie der American Society for Nutrition weist auf die Verbindung eines mangelhaften Schlafverhaltens und einem Anstieg der täglichen Kalorienzufuhr durch Junk Food. Eine Untersuchung der Mayo Klinik versucht den zusätzlichen Kalorienverbrauch von Junk Schläfern zu quantifizieren und kommt auf eine zusätzliche Dosis von 500 Kalorien täglich.

Junk Sleep hat nicht nur einen negativen Einfluss auf die Willenskraft und Entscheidungsfähigkeit sondern auch auf die appetitregulierenden Hormone. Unausgeschlafen steigt das Hungergefühl an, ein Sättigungsgefühl bleibt aus und der Kalorienverbrauch steigt an. Die Entscheidungsfähigkeit und das Verhalten ändern sich in Essensfragen. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) wollen Wissenschaftler den Zusammenhang eines übermüdeten Gehirns und einer Heißhungerattacke nachgewiesen haben. Es werden nicht nur überflüssige Kalorien konsumiert sondern hauptsächlich leere Kalorien aus Zucker, Fett oder Alkohol.

Schlaf ist nicht per se erholsam. Tiere im Bett, schnarchende Partner oder ein plärrender Fernseher können zu häufigen Schlafunterbrechungen führen. Übermäßiger Kaffee-, Alkohol- oder Drogenkonsum degradiert den Schlaf ebenfalls auf Junk Level Status. Eine mangelhafte Schlafumgebung (zu laut, kalt, warm, hell) und eine schlechte Bettausstattung sind weitere Voraussetzungen um den erholsamen Schlaf zu ruinieren.

Da der Schlaf nicht nur die Essgewohnheiten beeinflusst, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten und das Aussehen, kommen wir zu dem Fazit: Wer schlecht schläft kann dick, dumm und hässlich werden.

Psychologen schreiben Albträume um

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Albträume können einmalig auftauchen – oder uns immer wieder aufsuchen. Manche Menschen leiden oft noch tagelang unter den negativen Eindrücken aus der Nacht. Psychologen versuchen, Abhilfe zu schaffen: Indem sie die negativen Teile des Traums mit den Betroffenen umschreiben. In seinem Beitrag für den Deutschlandfunk berichtet Jochen Steiner über die Imagery Rehearsal Therapy

Winterdepression und Lichttherapie

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Foto: Yann Richard, Wikimedia

November. Die Tage werden spürbar kürzer. Nach einem farbenfrohen Herbst  beginnt die graue Jahreszeit und mit ihr nehmen bei vielen Menschen die Stimmungsschwankungen zu. In den nördlichen Breitengraden  bekommen in den den Wintermonaten die Augen zu wenig Licht. Nur wenn es hell genug ist, wird über die Netzhaut die notwendige Lichtmenge aufgenommen. Das Licht beeinflußt die biologische Uhr und synchronisiert das circadiane System.

Die Augen sind über die Retina mit der Zirbeldrüse verbunden. Die Zirbeldrüse ist unter anderem für die Ausschüttung des Schlafhormons Melantonin zuständig und somit verantwortlich für unser körperliches Wohlbefinden. Energielosigkeit, das Gefühl nicht ausgeschlafen zu sein, eine schlechte Grundstimmung sind Folgen von Lichtmangel, die sich zu einer Saisonalen Depression (SAD) entwickeln kann.

Als natürliche Therapie bei Lichtmangel, empfiehlt sich der Einsatz von Tageslichtlampen oder auch Lichtduschen genannt. Das sind spezielle Leuchten, die bis 10.000 Lux erstrahlen. Diese Lichttherapiegeräte sind wirksam bei Saisonaler Depression, Schlafstörungen, dem Schichtarbeitersyndrom und dem praemenstruellen Syndrom.

Im Gegensatz zu Medikamenten, können mit Hilfe von Lichttherapieleuchten saisonale Deppressionen schnell und wirksam ohne Nebenwirkungen behandelt werden. Der amerikanische Wissenschaftler Mark S. Rea vom Lighting Research Center stellte fest, das eine ausreichende Lichtmenge

– die Dauer und Tiefe sowie Qualität von Schlaf erhöhen kann,
– den Melatoninpegel regulieren kann,
– den Schlaf-/Wachrhythmus von Alzheimerpatienten regulieren kann,
– die Leistungsfähigkeit von Nachtschichtarbeitern erhöhen kann,
– Winterdepression mildern kann,
– einen direkten Einfluss auf die Hirnrindenaktivität nehmen kann.

Bitte beachten Sie: nicht jede herbstliche oder winterliche Stimmungsschwankung ist eine Winterdepression. Nutzen Sie gerade die lichtarme Zeit verstärkt für Spaziergänge. Bei kleineneren Strecken lassen Sie das Auto stehen und gehen zu Fuß. Zwei Stunden an der frischen Luft sollte in unseren Breitengraden für eine ausreichende Lichtzufuhr dienen.

Wenn das frühe Aufstehen krank macht ….

Unbenannt

© DIE WELT

Was passiert wenn aus chronobiologischer Sicht die Arbeitszeit nicht mehr mit den Menschen übereinstimmt? Macht es überhaupt Sinn, Kindern vor 9 Uhr morgens Wissen zu vermitteln? DIE WELT greift in ihrer heutigen Ausgabe die Diskussion um einen späteren Schulstart auf. Wissenschaftlich ist erwiesen, dass zu frühes Aufstehen krank macht – und dennoch ist der Spätaufsteher noch nicht gesellschaftsfähig. Lesen Sie den Beitrag hier.

Stress, lange Arbeitswege oder nimmermüde Kleinkinder: Berufstätige schlafen immer weniger. Mit Folgen für ihre Gesundheit. Aber auch für ihre Arbeit. Nadine Bös berichtet in der FAZ über die Folgen der Müdigkeit. Lesen Sie diesen Beitrag hier.

Die Chronobiologie, die die inneren Uhren erforscht, ist eine recht junge Wissenschaft, der in der Mitte des letzten Jahrhunderts der Durchbruch und die wissenschaftliche Anerkennung gelang. Lesen mehr zum Thema in unserem Beitrag aus dem Jahr 2011.

Karl Kraus und das Lob der verkehrten Lebensweise: „Denn als der Tag sich noch in Morgen und Abend teilte, wars eine Lust, mit dem Hahnenschrei zu erwachen und mit dem Nachtwächterruf zu Bett zu gehen. Aber dann kam die andere Einteilung auf, es ward Morgenblatt und es ward Abendblatt, und die Welt lag auf der Lauer der Ereignisse. Wenn man eine Weile zugesehen hat, in wie beschämender Art sich diese vor der Neugierde erniedrigen, wie feige sich der Lauf der Welt den gesteigerten Bedürfnissen der Information anpasst und wie schließlich Zeit und Raum Erkenntnisformen des journalistischen Subjekts werden – dann legt man sich aufs andere Ohr und schläft weiter. “Nehmt, müde Augen, eures Vorteils wahr, den Aufenthalt der Schmach nicht anzusehn!”