Die Schlafbekleidung

Mit oder ohne (Kleidung) schlafen, das ist hier die Frage
Neben persönlicher Vorlieben, sind es hygienische Gründe, die für eine Bekleidung im Bett sprechen. Schauen wir uns die historische Entwicklung an, sehen wir, das der Trend zur Schlafbekleidung mit dem Aufkommen anderer Zivilisationsgeräte zusammenfällt. Damit einhergehend schwand die Unbefangenheit, mit der man sich nackt zeigte.

Bis in das 16. Jahrhundert war es in Europa üblich, unbekleidet und mit mehreren Personen in einem Bett zu schlafen. Einige Mönchsorden schrieben vor, bekleidet zu schlafen. Die erste Erwähnung eines Nachthemds datiert um 1500, als in Italien Frauen das Taghemd, das sie unter ihrer Kleidung trugen, in der Nacht anbehielten. Als eigenständiges Kleidungsstück setzte sich die sogenannten „Herzschützer“, ein knöchellanges, weites Hemd für beide Geschlechter durch. Im 18. Jahrhundert tauchten die ersten Nachtjacken als Kälteschutz auf. Die französischen Könige führten ihr Königreich vom Bett, gewährten Audienzen und leiteten Parlamentssitzungen. Das führte in „besseren“ Kreisen zu einer immer repräsentativen Schlafkleidung.

Im 19. Jahrhundert begann die geschlechterspezifische Trennung bei der Schlafkleidung: bei Männern setzte sich der Pyjama durch, die Damenschlafkleidung wurde immer aufwendiger verziert. Ab den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Schlafkleider immer kürzer, bis zum Babydoll in den 60er Jahren und für die kalte Jahreszeit setzten sich wärmende Baumwoll-Flanellstoffe durch. Heute wird neben dem Nachthemd, dem Pyjama auch T-Shirts getragen, oder einfach die Unterwäsche anbehalten.

Die Schlafmütze trug man aus hygienischen Gründen als Schutz vor Läusen. Männer trugen eine Zipfelmütze, Frauen eine Haube. Die mangelnde Heizmöglichkeiten trugen zu ihrer Verbreitung bei. Der bekannte Gastrosoph Brillat-Savarin bemerkte zum Sinn der Schlafmütze:

„Man liegt schön warm zugedeckt, lang ausgestreckt und mit einer Nachtmütze auf dem Kopf im Bett. Da beginnen die Gedanken … zu kreisen, die Phantasie erhitzt sich, die Ideen sprudeln hervor und da man zum Schreiben aufstehen muß, zieht man sich an, nimmt seine Nachtmütze vom Kopf und setzt sich an den Schreibtisch. Dort angekommen, ist man ganz plötzlich nicht mehr derselbe, die Phantasie hat sich wieder abgekühlt. All das läßt sich durch die Wirkung der veränderten Lage und der Wärme auf das Gehirn erklären, auch hier macht sich der Einfluß des Physischen auf den Geist bemerkbar. … Ich bin auf den Gedanken gekommen, das Feuer der Orientalen könne teilweise auf den Umstand zurückzuführen sein, daß sie nach den Geboten Mohammeds stets eine warme Kopfbedeckung tragen müssen, und alle Stifter von Mönchsorden hätten nur deshalb die Anordnung getroffen, diesen Teil des Körpers unbedeckt zu lassen und zu rasieren, um die gegenteilige Wirkung zu erzielen.“

Sinn und Unsinn der Nachtbekleidung
Die Aufgabe von Schlafbekleidung ist es vor Kälte zu schützen und unseren Schweiß aufzunehmen. Es ist vorteilhafter die richtige Schlafkleidung zu wählen, als den Schlafraum zu heizen, den letzteres führt zu einer Schwächung des Immunsystems. Wem trotz der richtigen Bettdecke im Bett zu kalt ist, der sollte Wollsocken tragen, diese helfen die Körperwärme zu bewahren.

Die Schlafkleidung soll nicht nur wärmen, sonder auch den Schweiß, den wir in der Nacht abgeben, aufnehmen. Bei Nacktschläfern wird die Feuchtigkeit direkt in das Oberbett oder die Matratze abgegeben. Schlafen sie gerne unbekleidet, sollten sie öfter die Bettwäsche wechseln. Mit der am Tage getragenen Unterwäsche zu schlafen ist hygienisch eher bedenklich, neben der Reinigung des Körpers gehört auch ein steter Wechsel unserer Bekleidung zu den Grundregeln der Hygiene.

Das Branchenblatt  „Textil Wirtschaft“  gab 2005 eine Umfrage über die Schlafbekleidung der Deutschen in Auftrag. Demnach tragen zwei Drittel der 5.000 Befragten Pyjama oder T-Shirts im Bett. Ein Achtel der Befragten schläft gänzlich unbekleidet. Während Männer „konservativer“ in ihrer Bekleidungswahl sind würden Frauen öfter die Art der Nachtkleidung wechseln: Pyjama, Nachthemd, Big Shirt. Die durchschnittliche Schläferin verfügt über zehn verschiedene Outfits, während Männer “nur“ sechs Schlafanzüge besitzen.

Die Schlafkleidung sollte grundsätzlich aus Naturmaterialien bestehen, Baumwolle oder Baumwoll-Mischgewebe mit Leinen oder Schurwolle. An heißen Tage kann man auch auf Bekleidung aus Seide zurückgreifen, da Seide, wie auch Leinen kühlende Eigenschaften besitzt. Kälteempfindliche Personen können im Winter Socken aus Schafschurwolle tragen, sie helfen die Körperwärme zu bewahren. Abzuraten ist das Schlafen unter Heizdecken oder anderen elektrisch betriebenen Hilfsmitteln, da das elektromagnetische Wechselfeld der Heizgeräte den Schlaf nachhaltig stören kann.

Hier gelangen Sie zu einer kleinen Geschichte der Nachtbekleidung.

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