Wenn das frühe Aufstehen krank macht ….

Unbenannt

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Was passiert wenn aus chronobiologischer Sicht die Arbeitszeit nicht mehr mit den Menschen übereinstimmt? Macht es überhaupt Sinn, Kindern vor 9 Uhr morgens Wissen zu vermitteln? DIE WELT greift in ihrer heutigen Ausgabe die Diskussion um einen späteren Schulstart auf. Wissenschaftlich ist erwiesen, dass zu frühes Aufstehen krank macht – und dennoch ist der Spätaufsteher noch nicht gesellschaftsfähig. Lesen Sie den Beitrag hier.

Stress, lange Arbeitswege oder nimmermüde Kleinkinder: Berufstätige schlafen immer weniger. Mit Folgen für ihre Gesundheit. Aber auch für ihre Arbeit. Nadine Bös berichtet in der FAZ über die Folgen der Müdigkeit. Lesen Sie diesen Beitrag hier.

Die Chronobiologie, die die inneren Uhren erforscht, ist eine recht junge Wissenschaft, der in der Mitte des letzten Jahrhunderts der Durchbruch und die wissenschaftliche Anerkennung gelang. Lesen mehr zum Thema in unserem Beitrag aus dem Jahr 2011.

Karl Kraus und das Lob der verkehrten Lebensweise: „Denn als der Tag sich noch in Morgen und Abend teilte, wars eine Lust, mit dem Hahnenschrei zu erwachen und mit dem Nachtwächterruf zu Bett zu gehen. Aber dann kam die andere Einteilung auf, es ward Morgenblatt und es ward Abendblatt, und die Welt lag auf der Lauer der Ereignisse. Wenn man eine Weile zugesehen hat, in wie beschämender Art sich diese vor der Neugierde erniedrigen, wie feige sich der Lauf der Welt den gesteigerten Bedürfnissen der Information anpasst und wie schließlich Zeit und Raum Erkenntnisformen des journalistischen Subjekts werden – dann legt man sich aufs andere Ohr und schläft weiter. “Nehmt, müde Augen, eures Vorteils wahr, den Aufenthalt der Schmach nicht anzusehn!”

Karl Kraus

Wenn ich einschlafen will, muss ich immer erst eine ganze Menagerie an Stimmen zum Kuschen bringen. Man glaubt gar nicht, was für einen Lärm die in meinem Zimmer machen.

Karl Kraus: (1874-1936)  war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker, Herausgeber der Fackel sowie vor allem ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.

Elias Canetti wurde in seiner Wiener Zeit stark von Karl Kraus beeinflußt. Er besuchte seine Wiener Vorlesungen. Er überwarf 1934 mit Kraus, als dieser den faschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß unterstütze.

Karl Kraus – Lob der verkehrten Lebensweise

Lob der verkehrten Lebensweise
Denn als der Tag sich noch in Morgen und Abend teilte, wars eine Lust, mit dem Hahnenschrei zu erwachen und mit dem Nachtwächterruf zu Bett zu gehen. Aber dann kam die andere Einteilung auf, es ward Morgenblatt und es ward Abendblatt, und die Welt lag auf der Lauer der Ereignisse. Wenn man eine Weile zugesehen hat, in wie beschämender Art sich diese vor der Neugierde erniedrigen, wie feige sich der Lauf der Welt den gesteigerten Bedürfnissen der Information anpasst und wie schließlich Zeit und Raum Erkenntnisformen des journalistischen Subjekts werden – dann legt man sich aufs andere Ohr und schläft weiter. „Nehmt, müde Augen, eures Vorteils wahr, den Aufenthalt der Schmach nicht anzusehn!“

Karl Kraus: (1874-1936)  war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker, Herausgeber der Fackel sowie vor allem ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.

Elias Canetti wurde in seiner Wiener Zeit stark von Karl Kraus beeinflußt. Er besuchte seine Wiener Vorlesungen. Er überwarf 1934 mit Kraus, als dieser den faschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß unterstütze.

Karl Kraus – So spät ist es

Vor dem Schlaf
So spät ist es, so späte,
was werden wird, ich weiß es nicht.
Es dauert nicht mehr lange,
mit wird so bange,
und seh’ in der Tapete
ein klagendes Gesicht.

Allein bin ich, alleine,
was außerhalb, ich weiß es nicht.
Ach, daß mir’s noch gelänge,
mir wird so enge,
und seh’ in jedem Scheine
ein fragendes Gesicht.

Nun bin ich schon entrissen,
was da und dann, ich weiß es nicht,
ich kann sie nicht behalten
die Wahngestalten
und fühl’ in Finsternissen
das sagende Gesicht.

Karl Kraus: (1874-1936)  war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker, Herausgeber der Fackel sowie vor allem ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.

Elias Canetti wurde in seiner Wiener Zeit stark von Karl Kraus beeinflußt. Er besuchte seine Wiener Vorlesungen. Er überwarf 1934 mit Kraus, als dieser den faschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß unterstütze.

Karl Kraus – Halbschlaf

Halbschlaf

Bevor ich war und wenn ich nicht mehr bin,
wie war ich da, wie werde ich da sein?
Zuweilen dringen Duft und Rausch und Schein
vom Ende her und von dem Anbeginn.

Hab‘ ich geschlafen? Eben schlaf ich ein,
und nun verwaltet mich ein andrer Sinn,
noch bin ich außerhalb, schon bin ich drin,
noch weiß ich es, und füge mich schon drein.

Dies Ding dort ruft, als hätt‘ ich’s oft geschaut,
und dies da blickt wie ein vertrauter Ton,
und an den Wänden wird es bunt und laut.

Dort wartet lang‘ mein ungeborner Sohn,
hier stellt sich vor die vorbestimmte Braut,
und was ich damals war, das bin ich schon.

Aus: Worte in Versen I.-IX.

Karl Kraus: (1874-1936)  war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker, Herausgeber der Fackel sowie vor allem ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.

Elias Canetti wurde in seiner Wiener Zeit stark von Karl Kraus beeinflußt. Er besuchte seine Wiener Vorlesungen. Er überwarf 1934 mit Kraus, als dieser den faschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß unterstütze.