Nun geh zur Ruh

Nun geh zur Ruh!
Es ist schon spät,
Nun träume deinen Traum,
Die Welt ist gut,
Die Nacht ist kurz.
Nun träume deinen Traum
Von Liebeslust
Und Seligkeit
Und freundlichen guten Augen
Träume! Träume
Von allen denen,
Die du liebst,
Damit sie dich
Auch lieben –

copy_0_ps_kokoschka-scheerbart

Otto Kokoschka – Paul Scheerbart

Paul Scheerbart (1863-1915) verwunderlicher Zeichner, Theaterreformator, Architekturanreger, Erfinder, Phantast, Sience-Fiction-Autor und Mensch, den die meisten seiner Zeitgenossen als einen Verrückten betrachteten. In seinem Laboratorium arbeitete er an der Erfindung des Perpetuum mobile.

Sein Aufsätze über Glasarchitektur beeinflussten Bruno Taut, der sein für die Kölner Werkbundausstellung 1914 gebautes Glashaus Scheerbart widmete. Zu seinen Freunden und Saufkumpanen gehöhrten Richard Dehmel und Erich Mühsam. Seine Ideen zum Theater beeinflussten Alfred Jarry. Und eines der ersten Bücher die Ernst Rowohlt verlegte war Scheerbarts Kater Poesie.

Advertisements

Paul Scheerbart

Roter Mond
Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Über dem dunkelgrünen Myrtentor
Thront ein dicker roter Mond. –
Ob es später wohl noch lohnt,
Wenn man auf dem Monde wohnt?
Über dem dunkelgrünen Myrtentor?
Wär’s nicht möglich, daß uns drüben
»Längre« Seligkeiten küßten?
Wenn wir das genauer wüßten!
Hier ist alles zu schnell aus.
Jeder lebt in Saus und Braus.
Wem das schließlich nicht gefällt,
Hält die ganze große Welt
Auch bloß für ein Narrenhaus!
Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Alter Mond, ich lach dich aus!
Doch du machst dir nichts daraus!