Peter Mühlbauer -Schlaf wird schick

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Peter Mühlbauer schreibt für das Online-Magazin Telepolis über den Paradigmenwechsel zum Thema Schlaf. Während in der Vergangenheit Schlaf eher negativ besetzt war, entpuppt sich das gesteigerte mediale Interesse am Schlaf als ein Schachzug des Kapitalismus, einen millardenschweren Markt zu entwickeln. Matratzen und Oropax waren gestern, heute wird digitalisiert und analysiert bis immer groteskere Produkte auf dem Markt erscheinen. Lesen Sie den Beitrag hier. Einen weiteren interessanter Artikel zum Thema hat Mirjam Hecking bereits im letzten Jahr für das Manager-Magazin verfasst: Schlafen ist das neue Joggen – USA entdecken „Sleep Economy“

Schlafen wir wirklich zu wenig?

Nach Umfragen von Krankenkassen und Meinungsforschungsinstituten nimmt die Zahl derer, die unter Schlafstörungen leiden zu. Als Begründung werden unsere Lebensumstände und die 24 Stunden Gesellschaft angeführt. Wem eingeredet wird jede Nacht gleich schlafen zu müssen und das an 365 Tagen im Jahr, wird sehr schnell Schlafstörungen entdecken. Da unser Verhalten am Tag unseren Schlaf beeinflusst, stellen wir die Frage: Wer möchte eigentlich tagein, tagaus immer das Gleiche erleben?

1996 hatte das amerikanische Magazin Atlantic Monthly über eine Studie berichtet, nach der sich die Schlafzeit in den letzten 150 Jahre von 9 auf 7,5 Stunden verringert habe. Diese Zahl wird heute noch als Argument für eine schlaflose Gesellschaft angeführt.

„Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“. Winston Churchill

Als Jim Horne, emeritierter Professor für Psychophysiologie an der Loughborough University und ehemaliger Direktor der Sleep Research Center die Originalstudie aus dem 19. Jahrhundert sichtete, stellte er fest, dass sich die Ergebnisse auf Kinder zwischen 8 und 17 Jahren bezog. Und die schlafen heute noch genauso lange wie damals.

Schlafmangel wird oft mit der Schlaflatenz belegt, also der Zeitspanne vom Zubett gehen bis zum Einschlafen. Weniger als 10 Minuten werden als Zeichen einer Schlafstörung gewertet. Doch unter welchen Bedingungen werden solche Tests eigentlich durchgeführt? Ein dunkler Raum, die Aufforderung sich zu entspannen, die Augen zu schließen und langsam einzunicken sind nicht mit den Gegebenheit daheim zu vergleichen.

Wer sich am Wochenende eine extra lange Auszeit gönnt, demonstriert aus Sicht des Schlafmediziners einen Nachholbedarf an Schlaf. Allerdings essen und trinken wir auch über unsere biologischen Bedürfnisse hinaus. Also, warum nicht auch mal länger schlafen?

Jim Horne befragte 11.000 Personen zwischen 20 und 65 Jahren wie viel Schlaf sie jede Nacht bekämen und wie viel Schlaf sie als nötig erachteten. Rund die Hälfte der Befragten gaben an 25 Minuten zu wenig zu schlafen. Aber diese „Mangelschläfer“ waren tagsüber genauso selten müde oder schläfrig wie die ausgeschlafenen Befragten.

„Ein geringes Maß an Schlaflosigkeit ist nicht ohne Nutzen dafür, den Schlaf richtig schätzen zu lernen und außerdem sein Dunkel ein wenig aufzuhellen.“ Marcel Proust

Unbestritten ist das Schlafmangel gesundheitlich Folgen nach sich zieht. Wer zu wenig schläft wird dick, dumm und krank lautet eine eingängige Formel. Eine Gewichtszunahme erfolgt aber erst nach einem dauerhaften Schlafpensum von unter 5 Stunden! Das Diabetesrisiko steigt erst ist bei einer Schlafdauer von unter 4 Stunden.

Wenn Schlaf ein individuelles Bedürfnis ist, wieso sollen dann alle Menschen gleich(viel) schlafen? Es lässt sich gut verdienen an der schlaflosen Gesellschaft. Lassen wir uns nicht verrückt machen. Freuen wir uns das wir heute besser schlafen als je zuvor.

24/7 Gesellschaft ohne Schlaf

crary

© bpb

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) verfolgt die Ziele politischer Bildung über ein Angebot an Publikationen, über Veranstaltungen, Kongresse und Seminare, durch Förderung anerkannter Träger der politischen Bildung sowie über die Inhalte des Online-Portals www.bpb.de. Sie hat das im Verlag Klaus Wagenbach, Berlin  erschiene Buch des amerikanischen Wissenschaftlers Jonathan Crary 24/7 Schlaflos im Spätkapitalismus in seine Schriftenreihe aufgenommen.

„Nachts schläft man. Oder nicht? Immer mehr Menschen arbeiten oder konsumieren nachts, fast jede Dienstleistung ist rund um die Uhr verfügbar. Verbinden sich damit nicht Technik, Medien und Kommerz zu einer Macht über den Menschen, deren Auswirkungen wir noch nicht übersehen? Jonathan Crary beleuchtet die 24/7-Ökonomie. Dabei geht es um mehr als die Verfügbarkeit von Arbeitsleistung, Informationen, Konsum und Unterhaltung rund um die Uhr. Teils freiwillig, teils gezwungenermaßen dulden wir, dass sich Technik, Medien und Kommerz immer enger mit ökonomischer Macht über den Menschen verbinden. Ein schleichender Prozess der Kontrolle, der Manipulation und der Beschleunigung erodiert Facetten des Menschlichen, wie das Bedürfnis nach Schlaf, nach Intimität, die Fähigkeit zum Warten und zum Verzicht. Jonathan Crary wirft viele Fragen auf, denen sich die Gesellschaft und die Einzelnen aus zutiefst humanen Gründen stellen sollten.“ bpb

Die Studienausgabe der bpb können Sie hier für nur € 4,50 versandkostenfrei bestellen. Und hier können Sie online im ersten Kapitel stöbern..

Echtzeit (DR Kultur) – Schlafen

Unbenannt

© Deutschlandradio Kultur

Um den „Schlaf“ dreht sich die „Echtzeit“ in dieser Woche. Genauer: Um Obamas Wunderdroge fürs Wachbleiben, Literatur zum Einschlafen, gute Betten und Pflasterschläfer. Einige Tiere befinden sich um diese Jahreszeit im Winterschlaf, einige Menschen würden das wahrscheinlich auch gerne tun. Doch die Zeichen der Zeit deuten auf etwas ganz anderes hin: Selbstoptimierung greift auch auf die Phasen nächtlicher Bettruhe über! Weniger Schlaf ist mehr! Barack Obama soll angeblich Modafinil einnehmen, um weniger schlafen zu müssen. Wir fragen, wie sich Schlafentzug durch dieses Medikament auf die Wachphasen auswirkt. Und ob der Luxus-Schlaf in den Hotels dieser Welt wirklich am Boxspring-Bett und der Daunendecke hängt. Warum Vorlesen einschläfernd wirkt, erklärt uns Toby Baier, Macher des „Einschlafen Podcast“. Und ganz am Ende wird’s dreckig und düster: Wir reisen nach Neu Delhi, wo Pflasterschläfer für ihr Plätzchen im Freien auch noch zahlen müssen – auch wenn das direkt neben einer Kloake ist. Quelle: Deutschlandradio Kultur
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Schlaf im Kapitalismus

Luigi Nono – Gli abbandonati, (Die Verlasenen) 1903

„Aus Sicht des Kapitalismus ist Schlafen nur etwas für Verlierer. Wenn wir aber nicht schlafen, dann tun wir meistens irgendetwas. Und dieses Tun füttert den unermüdlichen Motor des Kapitalismus. Wir sind ständig on, stehen buchstäblich unter Strom und arbeiten bis zum Umfallen. Insofern hat die Evolution des menschlichen Schlafs buchstäblich volle Arbeit geleistet. Vielleicht müssen wir uns wieder ein gutes altes Sprichwort ins Gedächtnis rufen: „Wer schläft, der sündigt nicht.“ Patrick Spät in Telepolis

Vom Junk Sleep zum Junk Food

Foto Bulls Barcroft Media

Frühstück im Bett: Susanne Eman, USA, 378 kg, 22.000 Kalorien/Tag – Foto: Bulls Barcroft Media

Die Menschen werden im Medien- und Internetzeitalter angeblich nicht nur immer dicker, sie schlafen auch immer weniger. Wer nachts nicht mehr durchschlafen kann, legt kurze Schlafphasen ein, eben Junk Sleep. Als Junk Sleep bezeichnet man einen unzureichenden und fragmentarischen Schlaf.

Seit Jahren suchen Forscher nach Zusammenhängen zwischen Schlafgewohnheiten und Übergewicht, zeigen Studien, dass ausreichend Schlaf in hoher Qualität wichtig ist, um z. B. Übergewicht zu vermeiden. Mehrere Studien weisen auf die Zusammenhang von schlechten Schlafverhaltens und schlechter Ernährung hin. Eingeschränkter Schlaf führt demnach zu Überernährung, und einem Rückgang gesunder Nahrung hin zu einem verstärkten Konsum ungesunden Essens, dem Junk Food.

In den USA, der Heimat des Junk Foods gelten 30% der Bevölkerung als fettleibig, 60 % als übergewichtig. Eine Studie der American Society for Nutrition weist auf die Verbindung eines mangelhaften Schlafverhaltens und einem Anstieg der täglichen Kalorienzufuhr durch Junk Food. Eine Untersuchung der Mayo Klinik versucht den zusätzlichen Kalorienverbrauch von Junk Schläfern zu quantifizieren und kommt auf eine zusätzliche Dosis von 500 Kalorien täglich.

Junk Sleep hat nicht nur einen negativen Einfluss auf die Willenskraft und Entscheidungsfähigkeit sondern auch auf die appetitregulierenden Hormone. Unausgeschlafen steigt das Hungergefühl an, ein Sättigungsgefühl bleibt aus und der Kalorienverbrauch steigt an. Die Entscheidungsfähigkeit und das Verhalten ändern sich in Essensfragen. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) wollen Wissenschaftler den Zusammenhang eines übermüdeten Gehirns und einer Heißhungerattacke nachgewiesen haben. Es werden nicht nur überflüssige Kalorien konsumiert sondern hauptsächlich leere Kalorien aus Zucker, Fett oder Alkohol.

Schlaf ist nicht per se erholsam. Tiere im Bett, schnarchende Partner oder ein plärrender Fernseher können zu häufigen Schlafunterbrechungen führen. Übermäßiger Kaffee-, Alkohol- oder Drogenkonsum degradiert den Schlaf ebenfalls auf Junk Level Status. Eine mangelhafte Schlafumgebung (zu laut, kalt, warm, hell) und eine schlechte Bettausstattung sind weitere Voraussetzungen um den erholsamen Schlaf zu ruinieren.

Da der Schlaf nicht nur die Essgewohnheiten beeinflusst, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten und das Aussehen, kommen wir zu dem Fazit: Wer schlecht schläft kann dick, dumm und hässlich werden.

Sonntagsmorgen, im Bett – Kurt Tucholsky

Was – was ist?
Ach so. Heute ist Sonntag. Da kann ich noch liegen.
Mit den Schultern kuscheln. Mich ans Kopfkissen schmiegen –
Aus alter Gewohnheit wacht man sonntags immer
so früh auf wie wochentags – das kommt vielleicht von dem Schimmer
da von den Jalousien – was ist denn das für ein Geratter und Gebraus?
Na, jedenfalls heute muß ich nicht raus.

Ich kann heute ganz stille liegen und ruhn.
Und muß gar nichts. Und hier kann mir keiner was tun.
So ein Bett ist eigentlich eine schöne Sache –
da müßte noch so eine Sonnenplache
drüber sein, und dann fährt man damit überall hin.
Woher kommt das, dass ich heute so furchtbar müde bin –?

Gestern abend haben wir wesentlich zu viel Schwedenpunsch getrunken,
Paul war zum Schluß ganz in seinen Sessel versunken;
ich habe auch noch so einen komischen Geschmack im Mund
und – –

Halb neun! Da muß ich richtig wieder eingeschlafen sein.
Sonntagsmorgen im Bett, das ist fein.
Das heißt: Was nun noch kommt, ist weniger schön …
Heute muß ich zu Onkel Otto und Tante Frieda gehn –
Margot ist auch da, die keusche Lilie …
Warum, lieber Gott, ist man sonntags stets in Familie?
Vor Tisch sind sie beleidigt, und nach Tisch sind sie satt –
wenn ich dran denke, wird mir jetzt schon ganz matt.

Abends ist Theater … morgen muß ich unbedingt mal mit Kempner
telefonieren:
Er muß mir die Diele billiger tapezieren –
achtzig ist zu viel – der Junge ist wohl nicht ganz gesund!
und – –

Halb zehn!
»Willi! Aufstehn! Aufstehn!«
Ja doch, ja!
Ich stehe ja schon auf, Mama –

Jetzt geht der Sonntag los! Nein: eigentlich ist er jetzt vorbei.
Jetzt kommen die Zeitungen und Briefe und Telefon und Geschrei.
Das ist nun weniger geruhsam und labend …

Aber so ist das im Leben:
Das Schönste vom Sonntag ist der Sonnabend Abend.

Kurt_Tucholsky_1891

Der Autor in jungen Jahren. Aus: Richard von Soldenhoff: “Kurt Tucholsky 1890 – 1935”

Kaspar Hauser oder Ignaz Wrobel oder Theobald Tiger oder Peter Panter oder Kurt Tucholsky (1890-1935) Journalist, Gesellschaftskritiker, Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor, Lyriker, Demokrat, linksgerichteter humanistischer Pazifist, Antimilitarist, Mitherausgeber der Weltbühne und einer der meistgelesesten Schriftsteller der Weimarer Republik.

Weiterführende Links:
Kurt Tucholsky Gesellschaft
Kurt Tucholsky Info

Unsere verlorenen elektrischen Wurzeln

Der Mensch ist ein bio-elektrisches Lebewesen, dessen sämtliche Nerven- und Gehirnfunktionen auf der Übertragung von elektrischen Signalen beruhen. In den letzten einhundert Jahren hat der Mensch den direkten Kontakt zur Erde und damit die Erdung verloren. Das Leben und Arbeiten in Häusern, das Tragen von Kunststoff- oder Gummisohlen an den Schuhen, verhindert einen Spannungsausgleich und hat z.B. einen direkten Einfluss auf die Bildung des Stresshormon Cortisol. Schlafforscher vermuten einen Zusammenhang zwischen gesundem und erholsamen Schlaf und der ausreichenden Erdung. David Rotter berichtet in der Zeitschrift Sein über „Earthing und Grounding: Unsere verlorenen elektrischen Wurzeln“.

„Earthing oder auch Grounding – zu Deutsch Erdung – ist nicht mehr nur in der Energiearbeit ein heißes Thema. Auch einige amerikanischer Forscher behaupten, dass der Mensch den direkten Kontakt zu Mutter Erde braucht, um nachhaltig gesund zu bleiben -aus elektrischen Gründen.“ Weiterlesen

Und hier der Link zu einer Zusammenfassung der Studienarbeit von Stephen Sinatra und James Oschman „Earthing: Health Implications of Reconnecting the Human Body to the Earth’s Surface Electrons“.

Hans Zippert zum Schlaf!

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Foto: Arenamontanus

Folgenden Beitrag entnehmen wir Hans Zipperts  Kolummne „Zippert zappt“ bei Welt online

„Je weniger und schlechter ein Mensch schläft, desto schlechter seine Lebensqualität. Glücklicherweise gibt es heutzutage gute Mittel gegen Schlafmangel, einzige Voraussetzung ist ein Fernseher.“ Weiterlesen