Wer hat an der Uhr gedreht? Beginn des Sommerzeit am 27.03.2016

Dieses Jahr wird in der Nacht von Ostersamstag zu Ostersonntag, am 27. März 2016, die Uhrzeit um eine Stunde vorgestellt. Über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme haben wir in der Vergangenheit berichtet.

Der mit der Zeitumstellung einhergehende Jetlag bedeutet, sich an ein einen neuen Schlaf-Wach-Rhythmus anzupassen. Und diese Anpassung bereitet vielen Menschen, besonders kleinen Kindern und älteren Menschen Schwierigkeiten. Man fühlt sich müde, schlapp, unkonzentriert und zur gewohnten Schlafenszeit hellwach. Hier finden Sie Tipps zur sanften Umstellung auf die veränderte Zeit.

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Franz Kafka zur Umstellung auf die Sommerzeit

„Dies frühzeitige Aufstehen macht einen ganz blödsinnig.
Der Mensch muß seinen Schlaf haben.“

Tipps zur sanften Umstellung auf die Sommerzeit finden Sie hier

Wenn der Hahn kräht …

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Der stolze Hahn, Melchior d’Hondecoeter (1636–1695), © hampel-auctions.com

Wie reagieren eigentlich Lebewesen ohne Uhr auf die Zeitumstellung? Woher weiß der Hahn, der krähend den Beginn des Tages verkündet, ob es Sommer- oder Winterzeit ist? Tsuyoshi Shimmura und Takashi Yoshimura von der Nagoya University in Japan sind der Frage mit Hilfe von vier Hähnen auf den Grund gegangen.

Das morgenliche Frühkonzert wird nicht durch Licht (Sonnenaufgang) ausgelöst, sondern durch eine innere, biologische Uhr gesteuert. Die Forscher setzten die Tiere unterschiedlichen Lichtbedingungen aus, das Ergebnis war immer das gleiche. Die Tiere krähten regelmäßig zwei Stunden vor Sonnenaufgang.

Vielleicht sollten wir uns an den Tieren ein Beispiel nehmen und uns nicht von den Zeitumstellungen stressen oder plagen lassen, schließlich werden wir Menschen ebenfalls von inneren Uhren gesteuert.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Sommerzeit.

Tipps zur sanften Umstellung auf die Sommerzeit

chronobiologieÜber Sinn uns Unsinn der Zeitumstellung haben wir in der Vergangenheit berichtet. Heute wollen wir Ihnen praktische Hilfen zur Zeitumstellung vorstellen.

In der Nacht vom 30. auf den 31. März 2013 werden die Uhren um 2:00 Uhr um 1 Stunde auf die Sommerzeit vorgestellt. Das bedeutet, sich an ein einen neuen Schlaf-Wach-Rhythmus anzupassen. Und diese Anpassung bereitet vielen Menschen, besonders kleinen Kindern und älteren Menschen Schwierigkeiten. Man fühlt sich müde, schlapp, unkonzentriert und zur gewohnten Schlafenszeit hellwach. Das Netzwerk Ganzheitlich Schlafen gibt Tipps wie Sie sich sanft innerhalb einer Woche auf den neuen Schlaf-Wach-Rhythmus einstellen können:

  • Beginnen Sie eine Woche vor der Zeitumstellung damit, Ihre Termine um täglich 10 Minuten vorzuverlegen. Früher zu Bett gehen, früher aufstehen und früher Ihre Mahlzeiten einzunehmen. So können Sie die Zeitverschiebung stufenweise anpassen.
  • Gehen Sie am Vorabend der Zeitumstellung früher zu Bett.
  • Wer gerne mittags schläft, sollte in der ersten Woche darauf verzichten, um so den Schlafdruck am Abend zu erhöhen. Machen Sie lieber einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft.
  • Viel Bewegung an der frischen Luft bei Tageslicht hilft Ihrer inneren Uhr bei der Anpassung an den neuen Rhythmus. Ein Abendspaziergang sorgt für einen harmonischen Tagesausklang und lässt Sie besser einschlafen.
  • Vermeiden Sie abends üppige, schwerverdauliche Mahlzeiten und schränken Sie den Konsum von Tee, Kaffee, Alkohol und Nikotin ein.
  • Wenn Sie am Abend nicht einschlafen können, verzichten Sie auf Schlaftabletten, da diese zu keinem erholsamen Schlaf führen. Entspannungstees, ein warmes  Fußbad, Wollsocken und Entspannungsübungen fördern das Einschlafen.

Die Anpassungzeit beträgt 1-2 Wochen.

„Die Uhrenumstellung macht … dümmer, dicker, kränker und unfreundlicher.“¹

© scusi - Fotolia.com

Am 25. März 2012 ist es wieder soweit: die Uhren werden auf die Sommerzeit vorgestellt. Ein Vorgang der Mensch und Tier belastet und weder biologisch noch umweltbedingt notwendig ist .   Woher kommt eigentlich dieser Brauch und welches sind die Beweggründe?

Bis weit ins 19. Jahrhundert gab es in Deutschland keine einheitliche Zeit. Eine nationale Uhrzeit wurde erst mit dem Aufkommen des Eisenbahnverkehrs 1893 eingeführt. Der Engländer William Willett verfasste 1907 eine Schrift mit dem Titel „The Waste of Daylight“. Er schlug vor die Uhren, in den Sommermonaten um 80 Minuten vorzustellen, um so £ 2,5 Mio. an Beleuchtungskosten zu sparen.

Im 20. Jahrhundert wurde immer wieder an der Uhr gedreht. 1916  begann Deutschland  mit der Zeitumstellung in den Sommermonaten. Hintergrund war die Idee, die Stundenzahl mit nutzbarem Tageslicht zu erhöhen. Von 1919-1339 durften die Menschen in ihren normalen Rhythmen leben, bevor im Kriegsjahr 1940 wieder eine Sommerzeit eingeführt wurde. 1945 wurde die Uhrzeitenregelung von den Besatzungsmächten bestimmt. In Ostberlin und der sowjetischen Besatzungszone dauert die Sommerzeit 2 Monate länger als in den übrigen Besatzungszonen.1950-74 war wieder eine Phase ohne Zeitverschiebungen. Die Europäische Gemeinschaft führte die Sommerzeit in ihren Mitgliedstaaten ab 1974 ein. Hintergrund war die sogenannte „Ölkrise“ von 1973 und der Vorstellung, mit der längeren Ausbeute des Tageslichts Energie zu sparen.

Die Beweggründe für Zeitverschiebungen waren immer ökonomischer Natur. Bis heute ist der Beweis ausgeblieben, dass die Zeitverschiebungen tatsächlich zu Einsparungen geführt haben.

Schlafforscher warnen vor den Auswirkungen der Zeitumstellung. Frauen, ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, deren Organismus sich mit der Anpassung an Zeitumstellungen schwerer tuen, sind in der Regel stärker betroffen. Die meisten Betroffenen klagen über Anpassungsproblemen wie Schlafstörungen, Unwohlsein, depressive Stimmung und Appetitlosigkeit. Die Schwere der Symptome sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und können bis zu zwei Wochen andauern. Chronobiologen wie der Münchener Till Roenneberg gehen sogar von bis zu vier Monaten Umstellungszeit aus.

Schlafmediziner und Chronobiologen beklagen seit Jahren das Spiel mit der inneren Uhr. In den 1980er und 90er Jahren untersuchte der amerikanische Wissenschaftler Stanley Coren unfallbedingte Todesfälle im zeitlichen Umfeld der Umstellung auf die Sommerzeit und bei der Rückstellung auf die Normalzeit. Das Ergebnis zeigte einen Anstieg der Unfälle mit Einführung der Sommerzeit und einen leichten Rückgang mit dem Beginn der Winterzeit. Coren vertritt die Auffassung, dass der Anstieg der tödlichen Unfälle im Frühjahr mit dem zeitlichen Verlust einer Stunde zusammenhängt, während der Rückgang der Unfälle während der Umstellung auf die Winterzeit mit dem Gewinn einer Schlafstunde zusammenhängt. In Russland wurde die Zeitumstellung mit Wirkung zum 31. Oktober 2011 aufgehoben. Die Begründung des russischen Präsidenten: weniger Stress für Mensch und Tier.

¹ Der Chronobiologe Till Roenneberg im Interview mit netdoktor.de