Johann Sebastian Bach – Schlummert ein, ihr matten Augen

Schlummert ein, ihr matten Augen,
Fallet sanft und selig zu!
Welt, ich bleibe nicht mehr hier,
Hab ich doch kein Teil an dir,
Das der Seele könnte taugen.
Hier muß ich das Elend bauen,
Aber dort, dort werd ich schauen
Süßen Friede, stille Ruh.

„Ich habe genug“ ist eine der meistgespieltesten Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs. Die zentrale Arie „Schlummert ein, ihr matten Augen“ ist als Schlummerarie bekannt, die es zudem für Männer- und Frauenstimme gibt.

„Als Bach seine Basskantate „Ich habe genug schrieb“, konnte er nicht mehr auf die freien Formen der älteren deutschen Kirchenkantate zurückgreifen, wie sie z.B. Bruhns verwendet hatte. Seit spätestens 1710 sah eine Cantata im lutherischen Gottesdienst “nicht anders aus als ein Stück aus einer Opera: aus Rezitativen und Arien zusammengesetzt”. So hatte es der Hamburger Pastor Erdmann Neumeister, der “Erfinder” der modernen deutschen Kirchenkantate, von der poetischen Kanzel herab verkündet.“ Kammermusikführer

Wir haben uns für die Aufnahme von Karl Ristenpart und Dietrich Fischer-Dieskau aus dem Jahr 1951 entschieden, die Teil der CD Johann Sebastian Bach Cantatas 56 & 82 ist.

Wolfgang Amadeus Mozart/Jutta Bauer – Bona nox!

Bona nox!
Bist a rechter Ochs,
Bona notte,
Liebe Lotte,
Bonne nuit,
Pfui, pfui,
Good night, good night,
Heut′müß ma no weit,
Gute Nacht, gute Nacht,
′s wird höchste Zeit,
Gute Nacht,
Schlaf fei′ g′sund und
Bleib′recht kugelrund!

Sage mir was du isst und ich sage dir wie du schläfst

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Ramon Casas i Carbo (1866-1932)

Ein voller Bauch studiert nicht gern und schläft schlecht, denn unserere Ernährung beeinflusst unseren Schlaf. Schwer verdauliche Speisen am Abend können zu Schlafproblemen führen und belasten während des Schlafs die Organe. Auch eine zu späte Nahrungsaufnahme wirkt sich negativ auf unseren Schlaf aus. Scharf Gewürztes sollten Sie lieber in den Mittagsstunden zu sich nehmen, denn die Schärfe stimuliert den Verdauungstrakt und kann uns den Schlaf rauben.

Mag der Mensch ruhen, schlafen oder träumen, immer steht er unter der Herrschaft der Gesetze der Ernährung und tritt nie aus dem Gebiete der Gastronomie heraus. Theorie und Erfahrung verbinden sich zu dem Beweise, dass die Qualität und die Quantität der Nahrungsmittel auf die Arbeit, die Ruhe, den Schlaf und die Träume von bedeutendem Einfluss ist.
Der französische Gastrosoph Jean-Anthelme Brillat Savarin über den Einfluss der Ernährung, 1826

Eine ballaststoffreiche Ernährung verhindert nächtliche Magenkrämpfe und unterstützen die Leber bei ihrer Arbeit. Gleichzeitig bewahren uns Ballaststoffe vor Verstopfung und Verdauungsproblemen und fördern die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora. Ballaststoffe finden sich beispielsweise in gedämpftem Gemüse, Vollkornbrot und -teigwaren sowie reifem Obst. Kalizium und Magnesium unterstützen ebenfalls den Verdauungstrakt und beugen Krämpfe vor. Kalzium liefert uns Käse, Fisch und Joghurt, Magnesium enthalten Nüsse, Vollkornreis, Sonnenblumenkerne, Weizenkleie und Vollkornbrot.

Die Aminosäure Tryptophan fördert die körpereigenen Produktion des sogenannten Schlafhormons Melatonin, das für die Schlafeinleitung unverzichtbar ist. Tryptophan wird nicht vom menschlichen Körper produziert. Es ist in Nüssen, Kakao, Thunfisch, Edamerkäse, Sojabohnen oder Kirschen enthalten. Probieren Sie doch einmal eine Tasse heiße Schokolade vor dem Schlafen gehen. Tryptophan in der Kombination mit Zucker fördert die Serotoninproduktion und damit den Melatoninausstoss.

Melatonin wiederum findet sich in einigen Rebsorten: Nebbiolo, Sangiovese und Cabernet Sauvignon. Für einen gesunden Schlaf sollten Sie nicht mehr als ein Glas trinken, denn zu viel Alkohol führt zu Schlafstörungen. Der im Bier enthaltene Hopfen hat eine beruhigende Wirkung auf den menschlichen Organismus. In England sind  Hopfenkissen beliebt, auch die Kombination Hopfen und Lavendel gilt als traditionelle Einschlafhilfe. Hier ein Schlaftrunk aus Bier zubereitet: eine kleine Flasche Bier und ein Teelöffel Honig erwärmen und kurz vor dem Schlafen gehen warm trinken. Auch hier ist die Menge entscheident: zu viel wird uns um den gesunden Schlaf bringen.

Zusammenfassung

  • Abends nicht zu spät essen (3 Stunden vor dem Schlaf).
  • Am Abend keine schwerverdauliche und zu scharfe Nahrung aufnehmen.
  • Ballaststoffe, Kalzium und Magnesium sind gut für unseren Magendarmtrakt.
  • Tryptophan unterstützt die Produktion des Schlafhormons Melatonin.
  • Rotwein und Bier in geringen Mengen sind schlafförderlich.
  • Ideal am Abend: Fisch, Gemüse, Rohkost, Milchprodukte

Das Abendessen sollte weder zu reichhaltig noch zu schwer sein, sondern Entspannung und Wohlgefühl vermitteln. Feste Essenszeiten und Zubettgehzeiten fördern darüber hinaus das Einschlafen.

Antonio Frilli – Süße Träume, 1892

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Antonio Frilli (1850-1902) arbeitete als Bildhauer in Florenz und spezialisierte sich auf Marmorfiguren. 1860 gründete er seine Werkstatt, die bald einen exzellenten Ruf genoss. Er schuf Skulpturen für die städtischen Friedhöfe von Porte Sante und Allori und nahm an internationalen Ausstellungen teil, wo er zahlreiche Preise gewann. Sein Atelier wurde international bekannt und zwei Jahre nach seinem Tod stellte sein Sohn Umberto eine vom Vater gefertigte Statue „Woman lying on a hammock“ an der Louisiana Purchase Exposition in St. Louis/USA aus. Er gewann den Grand Prize als auch 6 weitere Goldmedaillen. 2003 verfasste Gary Rinehart den Roman „Nude Sleeping in a Hammock“, in dem er den Einfluß des Kunstwerks auf seine Besitzer beschreibt.

Schlaftee

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Foto: pixabay, CC0 Public Domain

Seit Jahrhunderten nutzt der Mensch Kräutertees zur Entspannung und als natürliches Einschlafmittel. Sie sind gegenüber Schlaftabletten vorzuziehen, da sie die Entspannung fördern und nicht die Schlafprozesse beeinflussen. Darüber hinaus besteht bei Kräutertees keine Gefahr der Abhängigkeit.

Es gibt eine Vielzahl von Rezepten oder fertigen Mischungen zu kaufen. Die Zubereitung des Tees kann als „Einschlafritual“ genutzt werden. Wegen der Umweltverschmutzung und dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, sollten Sie rückstandskontrollierte Qualitäten bevorzugen.

Baldrian, Hopfen, Lavendel, Johanniskraut, Melisse, Pfefferminze, Hagebutte, Passionsblume und Orangenblüten sindeinige  Pflanzen, die sich zur Herstellung von beruhigenden Tees eignen. Ein bis zwei Teelöffel mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen, fertig ist ein wohlriechender, aromatischer Tee, der am Besten gelöffelt oder in kleinen Schlucken getrunken wird.

Lars Strömdorfer hat in seinem Buch „Wenn die Seele Ausgang hat“ einige Teemischungen vorgestellt. Hier zwei Rezepte aus dem Buch:

25g Melisssenblätter
10g Orangenblüten
5g Rote Malve
Ein Eßlöffel mit 0,25 l siedendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehenlassen, abseihen und 15 Minuten vor dem Schlafengehen genießen.

15g Weißdornblüten
15g Melissenblätter
10g Baldrianwurzel
5g Hopfenzapfen
5g Orangenblüten
Ein Eßlöffel mit 0,25 l lauwarmem Wasser übergießen, fünf Stunden ziehenlassen, gelegentlich umrühren, abseihen und zwei Eßlöffel Honig zufügen.

Heinz Grill verfolgt den Ansatz, durch größere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit während des Tage  zu mehr innerer Ruhe und Bewusstheit finden kann. Daher sind seine Rezepte keine klasischen Kräutertees, die das Nervensystem auf ein reizunempfindliches Niveau herabstimmen, sondern Kräutermischungen, die unsere innere Ordnung fördern.

1 Teelöffel Fenchelsamen
1Teelöffel Anissamen
einige getrocknete rote Malvenblüten
Als Tee aufgießen und 10 minute ziehen lassen
1 Teelöffel Melasse in das fertige Getränk einrühren

1/2 Teelöffel Rosmarin
1/2 Löffel Thymian
1 Teelöffel rote Malvenblüten
Als Tee aufgießen und 5 Minuten ziehen lassen
Dem heißen Getränk 1/2 bis 1 Teelöffel Honig beimischen.

In seinem Buch Die geistige Bedeutung des Schlafes finden Sie viele praktische Hinweise und Übungen sowie  Hintergründe des für uns »geheimnisvollen« Wirkens in der Nacht, Das Buch kann eine wertvolle Hilfe für Menschen sein, die allgemein an nervlicher Überanstrengung, innerer Unruhe oder an Schlafstörungen leiden.

 

Richard Strauss -Vier letzten Lieder, „Beim Schlafengehen“

Jessye Norman, Gewandhausorchester Leipzig, Kurt Masur, l982

Beim Schlafengehen
Nun der Tag mich müd gemacht,
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.Hände laßt von allem Tun
Stirn vergiß du alles Denken,
Alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.
Herman Hesse

„Das Schöne bei den Vier letzten Liedern ist, dass sie ein bisschen wie das Requiem sind. Mit den Dirigenten, mit denen man das macht, und auch bei den Musikern im Orchester spürt man, dass die das so ernst nehmen, weil es sozusagen das letzte ist, was wir von dem großen Meister, dem Komponisten mitbekommen haben. Da ist man fern ab von jeder Kritik eigentlich, sondern man ist im Grunde dankbar, dass wir das machen dürfen; dass der uns das noch geschenkt hat, das Werk. Das spür ich immer sehr deutlich, wenn ich das Requiem von Verdi singe, oder auch bei den Vier letzten Liedern von Strauss. Da ist eine gewisse Ernsthaftigkeit und eine gewisse Demut bei allen Mitwirkenden zu spüren.“ (Anja Harteros) Quelle: br-klassik.de

Im August 1982 trifft in Leipzig Jessye Norman mit Kurt Masur und dem Gewandhausorchester zusammen und (er)schafft die definitive, alle anderen überstrahlende Einspielung. Mit epischem Atem, überwältigender Klangentfaltung und differenziertester Textdurchdringung, die sich in der vorbildlichen vokalen Kolorierung widerspiegelt, verströmt sich die Sopranistin in einem üppigen, prachtvollen, golden glänzenden Rausch. Quelle: rondomagazin.de

 

Anna Louisa  Karsch – Mein Herz und ich

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© Pedro Abreu/Saatchi Art – The sleep,

Deckt noch der Schlaf dein Auge zu,
Mein Liebster? O, um süßer dich zu denken,
Laß ich die Trunkenmacherin, die Ruh,
Aus ihrem Kelch mich minder tränken.
Du wachst vielleicht, durch Glockenschlag
Aus sanfter Ruh, aus süßem Schlaf gestöret,
Ich wache, weil mein Herze Nacht und Tag
In sich laut deinen Namen höret.

REMI und die Zaubertropfen

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© Leonard Mccombe LIFE Photo Collection

„Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege“, begrüßte Erich Kästner einst den Januar. Um die Kleinen geht es auch in unserem heutigen Beitrag. Zum Jahresbeginn findet in Las Vegas die Consumer Electronics Show (CES) statt. Die größte Messe für elektronischen Schnickschnack den niemand braucht aber alle haben wollen. Der diesjährige Publikumsliebling hört auf den Namen REMI und ist nicht nur ein ordinärer Wecker sondern

„Der Wecker ist nämlich nicht nur ein Alarm und ein schmuckes Nachtlicht, sondern er zeichnet auch die nächtlichen Geräusche im Kinderzimmer auf. Diese Informationen werden von dem smarten Gerät so aufbereitet, dass Eltern am nächsten Morgen über eine App für iOS oder Android ablesen können, wie das Schlafverhalten ihres Kindes ist und welche Bedingungen es fördern. Wenn Besuch da ist, dient REMI zusätzlich als Babyfon. Wird das Baby unruhig, können die Eltern per Knopfdruck Schlafmusik spielen lassen oder mit ihm sprechen. “ Quelle: Turn on, Das Saturn Magazin

Wer gerne die Erziehung seiner Kinder an ein Telefon delegieren möchte liegt mit diesem Produkt genau richtig. Auf das die Überwachung schon im Babyalter beginne. Wem selbst die Bedienung seines Telefons noch zu viel Zeitaufwand ist, der greift heute gleich zur chemischen Keule. Bayerns Gesundheitsministerin sah sich veranlasst, Eltern davor zu warnen ihre Jüngsten mit Schlafmitteln ins Reich der Träume zu befördern. Laut Erkenntnissen des bayerischen Gesundheitsministeriums erliegen dieser Verführung immer mehr gestresste Eltern. Sie geben ihren Kindern Schlafmittel , als „Zaubertropfen“ getarnt, damit sie nachts durchschlafen. Ministerin Melanie Huml warnte: „Viele dieser Mittel enthalten Wirkstoffe, die in den natürlichen kindlichen Schlaf-Wach-Rhythmus eingreifen. Damit ist die optimale Erholung der Kinder gestört, die für das Lernen und die psychische Gesundheit sehr wichtig ist.“

Bissige Kommentare dazu möchten wir Ihnen ersparen. Wir fragen uns was mit dieser Elterngeneration in jungen Jahren falsch gemacht wurde. Kopfschüttelnd verabschieden wir uns mit dem eingangs zitierten Erich Kästner: „Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Man steht am Fenster und wird langsam alt.“
Quellen: ntv, Brigitte, Augsburger Allgemeine

Auszeit

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Adriaen Brouwer – A Boor Asleep

Gotthold Ephraim Lessing – Lob der Faulheit
Faulheit, jetzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied schenken,
Käm es nur gleich aufs Papier
Ohne lange nachzudenken
Doch, ich will mein bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut! wer dich nur hat
Dessen ungestörtes Leben
Wird – ich gähn – ich werde matt –
Nu – so – magst Du mir vergebens,
Daß ich dich nicht loben kann;
Du verhinderst mich ja dran.