Anna Ritter – Schlafe, ach schlafe

pasquale-de-antonis-ermafrodita-dormiente-1947

Foto: Pasquale de Antonis – Ermafrodita dormiente, 1947

Schlafe, ach schlafe
Und dürft‘ ich dich wecken zum Sonnenlicht
Aus Schatten des Todes, ich thät es nicht,
Ich sänke nieder an deinem Grab
Und leise raunt ich ein Lied hinab:
Schlafe, ach schlafe!

O laß in dein traumtiefes Kämmerlein
Kein Fünkchen des schimmernden Licht’s hinein,
Denn was die Sonne dir auch verspricht,
So hell, so strahlend – sie hält es nicht.
Schlafe, ach, schlafe.

Anna Ritter (1865-1921)  veröffentlichte 1898 ihre erste Gedichtesammlung. 1900 wurde sie Mitarbeiterin der Zeitschrift „Die Gartenlaube“. Ritter gehörte zum Kreis der Autoren und Schriftsteller, die im Auftrag des Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck an der literarischen Gestaltung der Stollwerck-Sammelbilder und Sammelalben mitarbeiteten.

Wie Sie jede Nacht jünger werden

george-lawrence-bulleid-iris

George Lawrence Bulleid – Iris, 1895

Neben einer gesunden Ernährung ist der erholsame Schlaf die wichtigste Voraussetzung für die körpereigenen Regenerationsprozesse. Der Schlaf ist ein perfekter und vielseitiger „Schönmacher“.

„Am Tag altert der Mensch, nachts verjüngt er“, schrieb Christoph Wilhelm Hufeland. Unser Körper und somit auch unser Aussehen kann sich im Schlaf regenerieren und sich verjüngen. 98% der Zellen des menschlichen Körpers werden im Laufe eines Jahres während des Schlafs erneuert. Wer zu wenig schläft, sieht müde und alt aus, hat eine blasse und trockene Haut, Ränder unter den Augen und wird ernsthaft erkranken. Wir verschlafen nicht umsonst ein Drittel unseres Lebens und das sind immerhin mehr als 25 Jahre.

Die „Verjüngung“ findet in der Tiefschlafphase statt. Der Körper nutzt die Ruhephase zur Regeneration des Organismus, Gewebeschäden werden repariert, Heilungsprozesse aktiviert, alte, kranke und verbrauchte Zellen werden erneuert und das macht sich z.B. an der Haut bemerkbar. Wenn wir zu wenig schlafen oder unsere Tiefschlafphase gestört ist, wird unsere Haut dünner und faltiger. Nach einer erholsamen Schlaf ist die Haut rosig, glatt und strahlt Frische aus, denn im Schlaf werden die Feuchtigkeitsdepots wieder aufgefüllt.

Während der Tiefschlafphase produziert der Körper Wachstumshormone, die unter anderem den Ausbau von Muskeln, Knorpel und Knochen fördern und gleichzeitig helfen, Fettdepots abzubauen. Hormone und Enzyme sind besonders aktiv und fördern Aussehen und Schönheit.

Deshalb ist es wichtig gesund und erholsam zu schlafen.Der Schlaf sorgt nicht nur für ein schönes Aussehen, sondern ist zu über 90% für unsere Gesundheit verantwortlich.

Virginia Woolf

Pablo Picasso – Der Träumer, 1932

Erst in unseren Mußestunden, in unseren Träumen,
kommt zuweilen die unterdrückte Wahrheit hoch.

Es werde Licht! Winterdepression und was wir dagegen tun können

© cocoparisienne, CC0 Public Domain, pixabay

Die Tage werden spürbar kürzer und dunkler. Licht spielt eine weitaus größere Rolle auf die Stoffwechsel-Prozesse in unserem Körper als bisher angenommen. Die tägliche Lichtmenge der wir uns aussetzen hat z.B. einen direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden, unsere Psyche und somit auch auf unseren Schlaf. Hat der Mensch vor 100 Jahren 80 Prozent seiner Zeit im Freien verbracht, sind es heute nur noch 20 Prozent, Tendenz sinkend.

Der Tag-Nacht-Rhythmus oder auch circadianer Rhythmus, ist ein wichtiger Faktor für die Koordination biochemischer Prozesse im menschlichen Körper. Licht synchronisiert u.a. die circadianen Rhythmen, denen wir Menschen unterliegen. Die Augen nehmen nicht nur visuelle Reize auf, Nervenzellen in der Netzhaut sind direkt mit der Zirbeldrüse, unserer inneren Uhr verbunden.

Eine wichtige Rolle in der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen spielt das Hormon Melatonin. Es wird von der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet. Melatonin senkt die Aktivität, es bremst und macht müde. Abnehmendes Licht kurbelt die Freisetzung von Melatonin an. Mit zunehmender Lichtintensität am Morgen, wird die Melatoninausschüttung reduziert und der Serotoninspiegel erhöht. Serotonin kontrolliert unseren Appetit, lässt uns müde oder wach werden, sorgt dafür, dass wir Schmerz empfinden, reguliert die Körpertemperatur und erfüllt viele weitere für uns lebensnotwendige Funktionen.

Wird nun die tägliche Lichtmenge durch Natur- Umwelt- oder Verhaltsweisen reduziert, kann sich die Gemütslage des Menschen negativ verändern. Als natürliche Therapie bei Lichtmangel, empfiehlt sich der Einsatz von Tageslichtlampen oder auch Lichtduschen genannt. Eine Lichttherapie gleicht den Lichtmangel aus und ist ein Mittel gegen jahreszeitlich bedingte Depressionen (SAD) auch Winterdepression genannt. Dabei spielt die antidepressive Wirkung von Licht eine Rolle. Die Veränderung des jahreszeitlich bedingten Tagesrhythmus kann durch helles Licht in den Morgenstunden korrigiert werden und die Serotoninausschüttung beeinflussen.

Bei einer Lichttherapie kommt es auf das richtig Timing an. Sie sollte mit der individuellen, inneren Uhr abgestimmt sein. Die Wirksamkeit ist abhängig von der Tageszeit. Die Lichtintensität der Leuchte sollte zwischen 2.500 und 10.000 Lux betragen und die Therapiezeit zwischen 30–60 Minuten betragen. Das morgendliche Frühstück wäre eine passende Gelegenheit.

Nicht jede Stimmungsschwankung im Herbst und Winter ist eine saisonale Depression. Bevor Sie eine Lichttherapie beginnen, sollten Sie die Zeit die Sie im Freien verbringen ausdehnen. Gerade jetzt empfehlen sich ausgiebige Spaziergänge in der Natur.

Theodor Körner – Gute Nacht!

Joseph_Ducreux_-_Self-Portrait,_Yawning

Joseph Ducreux – Selbstportrait beim Gähnen, 1783

Gute Nacht!
Allen Müden sei’s gebracht!
Neigt der Tag sich schnell zum Ende,
Ruhen alle fleiß’gen Hände,
Bis der Morgen neu erwacht.
Gute Nacht!

Geht zur Ruh!
Schließt die müden Augen zu!
Stiller wird es auf den Straßen,
Und den Wächter hört man blasen,
Und die Nacht ruft allen zu:
Geht zur Ruh!

Schlummert süß!
Träumt euch euer Paradies!
Wem die Liebe raubt den Frieden,
Sei ein schöner Traum beschieden,
Als ob Liebchen ihn begrüß’!
Schlummert süß!

Gute Nacht!
Schlummert, bis der Tag erwacht!
Schlummert, bis der neue Morgen
Kommt mit seinen neuen Sorgen!
Ohne Furcht! Der Vater wacht.
Gute Nacht

Wer hat an der Uhr gedreht? Am 29. Oktober 2016 endet die Sommerzeit

end_cestProtesten, Petitionen zum Trotz wird zweimal jährlich die Uhrzeit verstellt. Am Sonntag den 29. Oktober 2016 ist es wieder so weit. Die Umstellung von Sommer- auf Normalzeit wird um 03:00 Uhr in der Früh vollzogen. Für viele Menschen ist die Umstellung auf die Sommerzeit belastender, als die Rückstellung der Uhr im Herbst. Trotzdem leiden viele Menschen unter der Zeitumstellung. Frauen, ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, deren Organismus sich mit der Anpassung an Zeitumstellungen schwerer tut, sind in der Regel stärker betroffen. Die meisten Betroffenen klagen über Anpassungsproblemen wie Schlafstörungen, Unwohlsein, depressive Stimmung und Appetitlosigkeit. Die Schwere der Symptome sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und können bis zu zwei Wochen andauern

Schlafmediziner und Chronobiologen beklagen seit Jahren das Spiel mit der inneren Uhr. In den 1980er und 1990er Jahren untersuchte der amerikanische Wissenschaftler Stanley Coren unfallbedingte Todesfälle im zeitlichen Umfeld der Umstellung auf die Sommerzeit und bei der Rückstellung auf die Normalzeit. Das Ergebnis zeigte einen Anstieg der Unfälle mit Einführung der Sommerzeit und einen leichten Rückgang mit dem Beginn der Winterzeit. Coren vertritt die Auffassung, dass der Anstieg der tödlichen Unfalle im Frühjahr mit dem zeitlichen Verlust einer Stunde zusammenhängt, während der Rückgang der Unfälle während der Umstellung auf die Winterzeit mit dem Gewinn einer Schlafstunde zusammenhängt.

Sollten Sie durch die Zeitumstellung Ende Oktober Probleme mit Ihrem Biorhythmus bekommen, so empfiehlt sich eine schrittweise Anpassung, indem Sie einige Tage vorher später zu Bett gehen und auch später aufstehen. Gerade jetzt sollten Sie die Regeln der Schlafhygiene beachten: meiden Sie umfangreiche Mahlzeiten am Abend, keine aufputschenden Getränke, keine Streitgespräche, versuchen Sie den Abend harmonisch und ausgleichend zu gestalten.

Als überzeugte Verfechter des Mittagsschlaf, empfehlen wir Ihnen, ausnahmsweise, in der Übergangsphase auf den Mittagsschlaf zu verzichten, so kann sich Ihre innere Uhr besser neujustieren.

Lieber später aufstehen

young-woman-1191978_960_720

Bid: pixabay, CC0 Public Domain

Der Neurowissenschaftler Dr. Christoph Nissen von der Uni Freiburg leitet eine Studie über das Schlafverhalten von Jugendlichen. Die Melatoninausschüttung bei Jugendlichen beginnt ca.zwei Stunden später als bei Erwachsenen. Jugendliche kompensieren den fehlenden Schlaf jedoch mit einer höheren Schlafintensität.

Der Regensburger Schlafmediziner Jürgen Zulley ist der Ansicht, das der in Deutschland übliche Unterrichtsbeginn um acht Uhr für Jugendliche ab einem gewissen Alter zu früh ist um Leistung zu erbringen. „Gegen acht Uhr sind Jugendliche in etwa so leistungsfähig wie um Mitternacht“, sagt Zulley. Untersuchungen haben gezeigt, das sich der biologische Rhythmus ab dem 12. Lebensjahr nach hinten verschiebt. „Jugendliche handeln also gegen ihren natürlichen Biorhythmus, wenn sie zu früh aufstehen.“ Sinnvoll sei es, wenn Schulen eine Stunde später beginnen würden.

Das Institut für Gesundheitsförderung und -forschung, Dillenburg und die Klinik für Innere Medizin, Marburg haben 8.000 16-25jährige hinsichtlich ihres Gesundheitszustands und ihrer Schlafgewohnheiten untersucht. Danach fühlen sich 62% den Befragten nicht ausgeruht und leistungsfähig. Hauptursache sein ein permantes Schlafdefizit, das mit gesundheitlichen Beschwerden wie Herz-Kreislauf und Magen-Darm-Beschwerden einhergeht. Fazit: Viele Jugendliche und junge Erwachsene leiden unter permanentem Schlafmangel, was sich ungünstig auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirkt.

Frei nach Kurt Tuchlosky: Gebt den Jungen mehr Schlaf – und sie werden wacher sein, wenn sie wach sind.

Ideal – Ich kann nicht schlafen


„Ich kann nicht schlafen“, ist ein Song der Berliner Band Ideal aus ihrem zweiten Album „Der Ernst des Lebens“ aus dem Jahr 1981.

Am Tag da lauf ich rum
Wie ein Löwe im Zoo
Die Zeit geht nicht um
Meine Nerven sind k.o.
Meine Hände zittern
Und mein Kopf ist zentnerschwer
Gedanken laufen Amok
Und ich trink den Kognak leer

Dann sitz‘ ich wie versteinert
Mein Herz ist ausgebrannt
Ich denk ich bin schon tot
Doch mein Puls schlägt penetrant
Wir sitzen nebeneinander
Ich und meine Idiotie
Es laufen tausend Filme ab
In meiner Phantasie

Ich kann nicht schlafen
Kann nachts nicht schlafen
Der Wahnsinn liegt neben mir
Ich kann nicht schlafen
Kann nachts nicht schlafen
Mein Herz wird zum Vampir

Abends renn ich los
Ich kann mein Zimmer nicht mehr sehn
Ich treff‘ dich auf der Straße
Im Vorügergehn
Du sagst es geht dir gut
Und ich spür die Heuchelei
Mir wird alles scheißegal
Mein Kopf schmerzt und ich schrei

Ich kann nicht schlafen…

Wohlbefinden

sheep-57706_960_720
Die Natur steuert unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit, Licht und Wetter fordern unseren Organismus, die äußeren Herausforderungen wirken direkt auf unseren inneren Bedürfnisse. Die Chronobiologie hat in wissenschaftlichen Studien gezeigt, wie die natürlichen Kräfte auf uns Menschen wirken. Erholsamer Schlaf ist eine der Voraussetzungen für ein gesundes und aktives Leben. Doch auch andere Lebensbereiche wie eine gesunde Ernährung oder ausreichende körperliche Bewegung gehören zu unserem Wohlbefinden dazu.

Wohlbefinden ist das Gegenteil eines zwanghaften Diätwahns oder eines stressigen Bewegungszwangs, sie dienen Handel und Industrie zur Gewinnsteigerung und hinterlassen in den Menschen das ungutes Gefühl, nicht genug für ihren Körper getan zu haben. Sie schaffen somit die Voraussetzung um krank zu werden.

Wenn unser Körper aus dem Gleichgewicht gerät, helfen in vielen Fällen natürliche Heilverfahren – einem Wissen, das Krankheit als Fingerzeig für ein gestörtes Leben sieht. Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte, die Wiederherstellung des körperlichen Gleichgewichts sind zentrale Faktoren in der Naturheilkunde, denn der kranke Organismus heilt besser, wenn das körperliche und emotionale Gleichgewicht im Einklang steht. In der naturwissenschaftlichen Medizin ist die Krankheit eine Störung die beseitigt werden muss.

Sich in seiner „Haut“ wohl zufühlen gehört wie eine ordentliche Ernährung, eine ausreichende Bewegung und ein erholsamer Schlaf zu den Grundlagen eines gesunden Organismus.

Rainer Maria Rilke – Zum Einschlafen zu sagen

pablo-picasso-sleeping-woman-meditation1904

Pablo Picasso – Schlafende Frau, 1904

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüßte: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.